meine Schuld

Dass meine Mama und ich ein nicht immer leichtes Verhältnis haben, wisst ihr ja. 
(Mein Therapeut würde jetzt lachen. "Nicht immer leicht"? Hahaha, Frau Lackner, reds dir ein)

Aber wenn ich sagen müsste, was mich am allermeisten stört an unserer Beziehung, dann ist es die Schuldfrage ihrerseits. Denn egal was passiert ist, ich bin immer schuld. Und da übertreibe ich leider nicht. Egal was mir widerfahren ist, es gibt keine einzige Situation, wo ich nicht einmal hörte, dass ich schuldig war. 

Als mein Ex mit mir Schluss machte, war ich in ihren Augen schuld, da ich ja keine gute Hausfrau und Schwiegertochter war.

Als ich ein Reh zusammenführte, war ich schuld, da ich nicht besser aufgepasst hatte.

Als ich weinte, da ich so depressiv war und mir das Leben nehmen wollte, war ich schuldig, denn ich könnte ja einfach anders denken.

Als mein Cousin mich gehauen hatte oder mir als kleines Kind mit Brennesseln nachlief, war ich schuld, da ich ja in seiner Nähe war.

Als ich ihr sagte, dass mich die Worte einer Freundin sehr sehr verletzt hatten, war ich schuld, weil ich zu sensibel sei.

Als ich im Kindergarten weinte, weil ich sie so sehr vermisste, war ich schuld, weil ich zu anhänglich war.

Als ich als Kind vom Pony gebissen wurde, war ich schuld, weil ich es gestreichelt hatte.

Als ich einen Tumor im Knie hatte, war ich schuld, da ich zu wenig Gemüse gegessen hatte. (Ohne Scherz)

Ich könnte ewig so weitermachen. 
Wenn ich heute auf der Straße ausgeraubt und vergewaltigt werden würde, wäre ich schuld, da ich zur falschen Zeit am falschen Ort war. 

Deshalb graut es mir immer davor, ihr etwas zu erzählen, dass nicht gut gelaufen ist.
Sie weiss sehr sehr viele schlimmere Sachen nicht, denn auf die Antwort ihrerseits kann ich verzichten. 

Ich hab auch immer noch riesige Angst, wenn ich ihre Hilfe brauche oder etwas "beichten " muss. Sie hilft mir dann, aber niemals, ohne es vorher auszukosten und mir alle möglichen Schuldbekenntnisse anzukleben. 

Was hab ich daraus gelernt? 
Egal was mir passiert,  dieses "Ich bin selbst schuld, ist sofort das Erste, was mir durch den Kopf schießt. 

Als Beispiel:
Ich bin gestern über den Zebrastreifen gegangen, ein Auto raste an mir vorbei, als ich in der Mitte der Straße ging ohne abzubremsen. Mein erster Gedanke?
Ich hätte besser aufpassen müssen, ich Trottel!

Schuld und Scham. Das sollte ich mir tätowieren. Denn das ist wohl mein Lebensmotto. 

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