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Partyzeit

Ich hab grade ein neues Hobby entdeckt. Ich stalke ja unheimlich gern auf social media.   Und jetzt bin ich seit ein paar Wochen dabei, mir alle Fortgehfotos von früher auf Szene1 und Nitelife im Kremser und Horner Bezirk anzusehen. Für manche fix fad, ich finds sehr unterhaltsam.  Wenn ich mir die verbrannten Hendln mit den extrem dünn gezupften Augenbrauen und beigefarbenen Lippenstift inklusive Duckface anschaue, werde ich nostalgisch haha. Oder die " Krocha" von früher. Alle waren dabei:  Die typischen Dorfkinder,  die "Bauern", die eingebildeten oder gebildeten Städter,  die Alkis und die Emos. Oder die alten Männer, die auch irgendwie immer dabei waren und dir an den Hintern gefasst haben, wennst nicht bei drei am Baum warst. Die Typen mit ihren offenen Hemden mit dem Rosenkranz um den Hals, die "Clique", die einen eigenen Tisch hatte, die verliebten Pärchen mit Knutschflecken, die, die unbedingt anders als andere sein wollten.  Kann ich mir gar ...

Fake?

Ich werd öfters mal gefragt, wie ich das schaffe so stark zu sein. Denn wenn du mich auf der Straße triffst oder ich im Aufenthaltsraum in der Arbeit sitze, bin ich lustig ( hin und wieder wenigstens), lächle und lache und nehme aktiv am Gespräch teil.  Was ja mal so gar nicht zu meinem Blog passt.  Der ist ja eher deprimierend.  Und dann denk ich mir oft: Oh Gott, die anderen müssen glauben dass ich eine notorische Lügnerin bin und meine Geschichte im Blog so dramatisch darstelle,  um Mitleid zu erhaschen. Aber hier kommt die Wahrheit.  Ich kann einfach nicht über Gefühle reden. Mich könnte wer mitn Auto zusammenführen und wenn mich dann wer fragen würde wie es mir geht, dann würde ich höchstwahrscheinlich mit "ganz gut danke und dir"? antworten. Und die Schuld auf mich nehmen und den trösten, der mich zusammengeführt hat. Bei meinem Therapeuten ist mein erster  Standardsatz : Mir gehts eigentlich ganz gut. Der muss sich dann auch seinen Teil denken, voral...

Rückschritt

Genau in einem Monat feiere ich meinen 2. Geburtstag. Wer hätte gedacht, dass ich das überlebe. Ich jedenfalls nicht. Eigentlich ein Grund zur Freude, wäre ich nicht gerade so wahnsinnig enttäuscht von mir. Oder besser gesagt von meinem Hirn. Denn seit gestern ist der Suchtdruck zurück. Nicht so Knall-Bumm Vollgas und dann wieder vorbei. Sondern die gefährlichere Variante.  Die, die dir einreden will, dass es ja nur ein Glas wäre. Nur EIN Spritzer oder EIN Glas Wein, nichts Hartes.  Dieser Suchtdruck ist deshalb so schlimm, weil er dein Hirn austricksen will. Du weisst theoretisch ganz genau, dass es nicht bei einem Glas bleiben wird. Niemals niemals niemals nie. Und trotzdem wägst du ab.  Du vergisst die Schmerzen, die dir der Alkohol psychisch und physisch bereitet hat. Und du vergisst, was für ein absolut schlechter böser Mensch du warst, als du getrunken hast. Du denkst nur an den Schluck Wein, den dein Kopf sooo sehr will. Nur an den Vorteil,  dass dein Kopf mal...

Tod

Meine liebste Oma liegt im Sterben. Das bricht mir das Herzi. Sie ist eine Oma, wie sie im Buche steht. Sie hat mich nicht einmal geschimpft oder war böse auf mich, obwohl ich eine richtige Kröte sein könnte als Kind. Sie hat mir immer zugehört und mich als richtige Person angesehen mit eigenen Träumen und eigener Persönlichkeit,  auch schon als kleines Kind.  Wie oft bin ich bei ihr gesessen und hab mich wegen meinen Eltern bei ihr ausgeheult.  Sie hat ihr Leben lang gearbeitet,  und so viel Schlimmes erlebt, dass es für zehn Menschen reichen würde. Der frühe Tod ihrer Mutter, ihrer Geschwister, den Krieg, Armut. Dann noch der Tod ihres Kindes, meines Onkels vor ein paar Jahren. Trotzdem war sie nie verhärmt oder böse auf die Welt. Sie war immer freundlich und zu jeden Menschen gleich gut. Sie hat sich immer hinten angestellt. Sie ist so ein guter Mensch, solche gibt es selten. Egal wie wenig sie hatte, sie hat immer nur gegeben und nie etwas verlangt. Und ihre Enke...

Chaos im Kopfi

Jeder mit Depressionen hat schon mal den Satz gehört: Du hast doch alles! Warum bist du traurig? Und glaubt mir, dass ist in jedem depressiven Kopf eh drinnen.  Ich lese ja gern. Jetzt gerade wieder Romane und Biografien über Holocaust- Überlebende. Und ich fass es nicht, dass Menschen sowas überlebt haben. Wie kannst du noch einen einzigen Tag überstehen wollen, wenn du täglich sowas Grausames siehst? Deine Familie getötet wird und du trotzdem noch einen Überlebenswillen hast? Und dann fass ich es noch weniger, dass ich mich so traurig und leer fühle, obwohl ich sowas nicht erlebt habe. Denke wieder daran, wie viel ich vorsätzlich an Hunger gelitten habe, um dünn zu sein? Oder wieder ausgekotzt habe? Irre oder ? Es gibt so viel Schmerz auf dieser Welt. Und ich sitze in meiner gemütlichen,  warmen Wohnung mit vollem Kühlschrank und denke nur ans Aufgeben?  Lange Zeit war meine grösste Sorge, dass mir der Alkohol nicht ausgeht. Wie kann das sein ? Wie kann das gerecht sein...

Gewissensbisse

Ich wurde mal gefragt, ob meine Familie auch meinen Blog liest. Die Antwort ist : NEIN. Dick, fett und unterstrichen. Meiner Schwester würde ich ihn gern mal zu lesen geben, aber ich weiss, dass ihr das wahnsinnig weh tun würde. Denn viele Dinge ( wie meine Essstörung, meine Suizidgedanken) ahnt sie nur, sie weiss es nicht hundertprozentig.   Meine Mutter würde mich aus ihrem Leben streichen. Nicht weil ich irgendetwas erlogen hätte, aber sie würde nicht darüber hinwegkommen, dass ich so über sie schreibe. Kritik verträgt sie nicht. Wenn ich ihr zB nur sage, dass sie einen Krümel im Gesicht hat,  sieht sie das als Angriff und schaltet sofort in den Gegenangriff. Ich liebe sie über alles, aber ihre Wahrnehmung ist anders als meine. In ihren Augen hatte ich eine perfekte Kindheit,  da ich mit Mutter und Vater aufgewachsen bin, immer zu essen hatte und mir es materiell an nichts fehlte. Sie ist auch ohne Liebe aufgewachsen, sie kennt es nicht anders. Das muss ich mir im...

Verdursten

Ich will euch mal erklären, wie sich Suchtdruck anfühlt. Und da ist es egal, ob Alkohol oder Drogen, den Suchtdruck haben wir gemeinsam.  Manche glauben ja, dass wenn jemand ein Bier vor mir trinkt, ich über den Tisch auf sie zukraxle und ihnen den Alk aus der Hand reisse, um dann wie ein Gorilla auf meine Brust zu klopfen und mir das Bier über den Kopf zu leeren.  Wie Gollum, der sich nach dem Ring verzehrt.  Aber so ist es nicht. Wir können uns da schon beherrschen.   Es ist ein Irrglaube zu denken, dass der Suchtdruck immer dann kommt,  wenn jemand vor uns trinkt.    Meistens kommt er schleichend. Du denkst dir zwar : WTF, warum hab ich den scheiß schon wieder? Aber wenns vorbei ist und du reflektierst,  dann checkst du schon dass es ein paar Anzeichen gab und du nicht sorgsam warst. Aber jetzt zum Erleben des Suchtdrucks bzw des Gefühls:  Stellt euch vor ihr seid in einer Wüste oder Steppe. Ihr habt nichts bei euch. Es ist heiss, 40 ...