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Oma

Es ist echt komisch. Man weiss, dass wer sterben wird. Und du wünscht es der Person auch eigentlich. Aber trotzdem zerreißt es dir das Herz, wenn es dann so weit ist. Ich war in der Arbeit, als ich es erfahren hab. Und fragte, ob ich heimgehen könnte, um bei Mama zu sein. Meine Kollegin sagte: Ui, aber wenigstens hat sie ihr Leben gelebt, nicht wie XY, der vor ein paar Tagen mit 50 gestorben ist. Das ist so richtig schlimm. Und dann: Ach, Stitch-Sachen sind in Aktion! Da wird sich meine Kleine freuen. Also ein bisschen mehr Wertschätzung hätte ich mir schon erwartet. Aber klar, nicht von der Person. Das ist sowieso ein Satz, den ich hasse.  Ach, sie war 90? Dann ist es ja ok. Dann war es ja abzusehen. Dass es trotzdem um ein wichtiges Familienmitglied geht, an das denken die wenigsten,  wenn sie so einen Satz raushauen. Da kommt dann bei mir das Gefühl hoch, zu sensibel zu sein. Sie hatte ihr Leben, also reiss dich zusammen! Warum bist du traurig, du wusstest doch, dass sie ba...

Menschenhasser

Es kann mir keiner erzählen, dass wenn du im Einzelhandel arbeitest, nicht zum Menschenhasser wirst. Jeder der sagt, dass Verkauf nicht schlimm ist, war entweder nie dort beschäftigt oder ist zu kurz dabei. Oder hacklt nicht Vollzeit dort. Der Gründe, warum ich im Verkauf bin, sind ganz einfach erklärt. Ich war zu dumm um zu studieren und zu unsportlich für die Polizei.  Achja. Und zu arm um mir eine Umschulung leisten zu können.  Menschen hast überall, das is eh klar.  Aber dieses, sorry für den Ausdruck,  "in den Allerwertesten einekreun " musst nur im Verkauf oder als Versicherer. Ich hab viele Kollegen, die ich echt lieb habe (DEFINITIV NICHT ALLE), aber das ist schon der einzige Grund, um sich grade auf die Arbeit zu freuen.  Warum ich heute zB von Kunden angefahren wurde. Weil die Lieferung zu spät kam und ich um 7.20 noch keine Gurken hatte. Dass das Einkaufen keinen Spass mache, da meine Kollegin und ich jeweils mit Paletten Ware verräumt haben. (7.30) D...

Teamwork

Also ich hab echt das beste Team überhaupt.  Da können wir noch so viel streiten. Und uns gegenseitig ziemlich hassen manchmal. Aber wenns hart auf hart kommt, halten wir zusammen.  Wir haben am Samstag einen Brandgeruch wahrgenommen in der Filiale.  Kabel abgebrannt. Also schnell mal zusperren,  Tiefkühlung und Kühlung ausräumen. 21 Paletten Kühlung, 16 Paletten Tiefkühlung. Da kommt dir das Heulen. Heute haben wir dann wieder eingeräumt.  5 Stunden lang.  Und alles ist ohne grossen Streit oder Stress über die Bühne gegangen. Aber uns tut alles weh. Und zwar doppelt und dreifach.  Und das machen nicht nur so junge wie ich, sondern ich hab auch Mitarbeiter um die 50. Und die arbeiten genauso wie die Jüngeren. An solchen Tagen merk ich dann, wie gut wir als Team funktionieren.  Aber ganz ehrlich,  wenn das nächste Kabel abbrennt,  möchte ich bitte im Urlaub sein. Weit weg.

Überreizt

Also wenn es einen Wettkampf der Überreizung gäbe, ich würde gewinnen. Und zwar haushoch. Ich habe gerade einen Wutausbruch gehabt. Weil eine Fliege von draussen seit zehn Minuten gegen mein geschlossenes Fenster fliegt. Immer wieder. Duk-duk-duk. Ich bin komplett durchgedreht. Furie like a pro. "Gaches Häferl" , den Ausdruck hab ich von der Arbeit. Und der beschreibt mich ziemlich gut. Jähzornig, unbeherrscht, aufbrausend. Seit einigen Wochen bin ich wieder (oder noch immer?) in einer Phase, wo ich wegen jedem kleinen Ding auszucken könnte. Der Autofahrer vor mir fährt gemächlich seinen 70er ohne Überholmöglichkeit? Ein Grund zum Weinen. Vor Wut. Mir fällt was runter? Ich könnte durchdrehen und mich selbst bestrafen. Vor Wut. Es ist Werbung im Radio? Ich hau aufs Lenkrad. Vor Wut.  Mich geht ein Kunde an? Am liebsten würde ich mich auf ihn schmeißen und ihm wehtun. Vor Wut.  Ich hab mir früher dann oft in die Hand gebissen. Kurz und sehr fest. Das hat meist  geholfen. Je...

Schwestern

Ich habe gerade das schönste Buch überhaupt gelesen. Nicht wegen dem Schreibstil oder wegen der spannenden Geschichte. Sondern weil die Protagonistinnen haargenau so sind wie meine Schwester und ich. Das Buch heisst Unser Sommer endet nie. Zwei Schwestern in ihren 30- 40ern verbringen eine Woche in dem Haus ihrer verstorbenen Großmutter. Die Mutter war Alkoholikerin und cholerisch. Bei uns ist halt der Vater Alkoholiker und die Mutter etwas herrschsüchtig😂 Die ältere Schwester ist genau, hat ihre eigene Familie und ihr Leben im Griff. Die Jüngere ist chaotisch, bipolar, leidet unter Depressionen und wollte sich ein paar Mal das Leben nehmen. Wer bin wohl ich in dieser Geschichte? Haha Und keine versteht die andere so recht, obwohl sie sich lieben. Und dieses Buch zeigt beide Seiten, aus der Sicht der jeweiligen Schwester, mit all den Zweifeln und Fragen und der Ratlosigkeit bis hin zum Neid. Ich liebe es. Und ich weinte wie ein Schlosshund. Es zeigt so sanft und leise, wie jede der Sc...

meine Schuld

Dass meine Mama und ich ein nicht immer leichtes Verhältnis haben, wisst ihr ja.  (Mein Therapeut würde jetzt lachen. "Nicht immer leicht"? Hahaha, Frau Lackner, reds dir ein) Aber wenn ich sagen müsste, was mich am allermeisten stört an unserer Beziehung, dann ist es die Schuldfrage ihrerseits. Denn egal was passiert ist, ich bin immer schuld. Und da übertreibe ich leider nicht. Egal was mir widerfahren ist, es gibt keine einzige Situation, wo ich nicht einmal hörte, dass ich schuldig war.  Als mein Ex mit mir Schluss machte, war ich in ihren Augen schuld, da ich ja keine gute Hausfrau und Schwiegertochter war. Als ich ein Reh zusammenführte, war ich schuld, da ich nicht besser aufgepasst hatte. Als ich weinte, da ich so depressiv war und mir das Leben nehmen wollte, war ich schuldig, denn ich könnte ja einfach anders denken. Als mein Cousin mich gehauen hatte oder mir als kleines Kind mit Brennesseln nachlief, war ich schuld, da ich ja in seiner Nähe war. Als ich ihr sagte,...

Geschwisterstreit

Meine Schwester und ich verstehen uns wahnsinnig gut. Kindheitstrauma verbindet hahaha. Obwohl wir immer als böses Kind und gutes Kind aufgespielt wurden, haben wir das irgendwie überwunden.  Vielleicht auch, weil ich seit der Jugend kontinuierlich das böse Kind bin. No hate, ich gönn es ihr. Aber trotzdem streiten wir öfters. Meistens deswegen,  weil ich sehr sehr selten genügend Energie hab,  um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Shoppen? Nur wenn ich was dringend brauche und einen guten Tag habe. Feste? Ganz selten, denn viele Leute machen mich soo müde. Auch die ganzen Veranstaltungen der Kleinen erschöpfen mich. Ich bin so oft wie möglich dabei, aber sie ist dann enttäuscht. Sie sagt es mir nicht ins Gesicht,  aber ich kann es an ihrem Gesicht oder ihrer Art zu Schreiben herauslesen. Auch dass ich oft und viel schlafe und einfach oft stundenlang in meinem Bett liege, geht ihr nicht ein.  Sie hat zwar selber auch eine leichte Menschenallergie und einen...