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Fehlende Liebe

Ich lese ja ur gern True-Crime Bücher. Am liebsten Bücher über einzelne Morde. Denn da erfährst du auch mehr über den Täter.  Eigentlich lese ich die Bücher nur wegen den Geschichten der Täter. Und komischerweise hab ich noch nie ein Buch gelesen, wo geschrieben wird, dass ein Mörder eine wunderschöne Kindheit hatte. Gibts sicher auch.  Ist das dann komisch, dass ich fast ein bisschen Mitgefühl für manche Mörder dieser Welt habe?  Mord ist ja die schlimmste Sünde der Welt. Aber ich kann wenigstens bei manchen nachvollziehen, dass sie irgendwann durchgedreht sind.  Einer zum Beispiel wurde jahrelang vernachlässigt und von seinem Vater sexuell missbraucht. Er hat dann seinen Vater umgebracht (zu Recht meiner Meinung nach) und auch im Gefängnis sind ihm einige andere Vergewaltiger wortwörtlich ins Messer gelaufen. Oder ein Mann wurde sein Leben lang von seiner Mutter misshandelt. Er entwickelte so einen Hass auf Frauen, dass er einige von ihnen wahllos umbrachte. ...

Einzelhandel

Ich hasse Feiertage. Also nicht die Feiertage an sich. Frei haben ist schon geil. Die Tage vor und nach einem Feiertag hasse ich wie die Pest. Wir haben wahnsinnig viele Kunden am Tag, guter Standort halt. Und vor Feiertagen verdoppelt sich das Ganze gern mal. Aber an diesen Tagen komme ich immer an meine Grenzen. Da hätt ich dann oft einen Guster auf einen Feierabend-Drink. Oder drei bis zehn. Ich brauche Struktur. Ich liebe es ungemein, wenn ich einen Plan habe und der dann so aufgeht. Privat und auch in der Arbeit. Und Ruhe. Lautstärke halte ich nur sehr schwer aus. Ich bekomme dann Herzklopfen und muss mich darauf konzentrieren,  richtig zu atmen, sonst kommt die Panik. Die Arbeit an sich stört mich gar nicht. Ich hab zwar abends Kreuzweh des Todes und geschwollene Füsse, aber mei, das halt ich aus. Aber psychisch geht mir das echt an die Nieren. Gefühlte tausend Menschen um dich herum, fünf verschiedene Sprachen und diese extreme Lautstärke. Deshalb hasse ich Kassa wie die Pes...

Hassliebe 2.0

Meine erste Hassliebe in Sachen Suchtmittel ist der Alkohol. Irgendwie klar.  Die zweite, die ich weit seltener und kürzer konsumiert habe, waren meine geliebten Praxiten. Die gehören zu den sogenannten Benzodiazepinen und werden bei Ängsten umd Co. eingesetzt. Ich hab sie auch für den Entzug bekommen zur Beruhigung und gegen das Zittern.  Die müssen langsam und schnell ausgeschlichen werden, denn wenn du die länger als 4 Wochen nimmst, kannst du ganz ganz stark abhängig werden. Und der Entzug ist laut Konsumierenden echt die Hölle. Da war der Alkohol noch ein Klacks dagegen. Trotzdem denke ich oft sehnsüchtig daran, mir so eine Tablette reinzuschmeissen. Aus Mangel an Kontakten (bekommst natürlich nur auf Rezept), hab ich nicht wirklich eine Chance dafür. Eh gut eigentlich,  denn ich weiss, dass ich wenn ich regelmäßig Zugang hätte, die nächste Sucht am Poppes picken hätte. Aber das Gefühl, wenn du auf einer Benzo bist, ist einfach "flauschig". Du fühlst dich wie in rosa...

Leben tauschen

Ich mag Kinder ja bekanntlich nicht besonders gern. Mit vier Ausnahmen.  Meine Nichte, meinen Neffen und die zwei Kleinen meines Cousins. Die lieb ich total. Am liebsten rede ich stundenlang mit meiner Nichte und meinen Neffen über ihre Gedanken,  Gefühle,  Träume usw. Und wenn sie etwas wissen wollen, dann antworte ich ehrlich. Oft vielleicht nicht pädagogisch wertvoll und oft zum Ärger meiner Schwester, aber ich hasse das, wenn man Kindern das Gefühl gibt, nicht alt genug zu sein oder sonstiges.  Denn die Kleinen bekommen um einiges mehr mit als man glaubt. Und bevor sie sich irgendwelche Szenarien zusammenreimen,  erzähle ich ihnen die Wahrheit. Sie wissen zum Beispiel auch, dass ich oft ein bisschen traurig ohne Grund bin, oder dass Alkohol mich sehr sehr krank macht. Deshalb vertrauen sie mir aber auch sehr viele Dinge an, die dann nur ich wissen darf. Oder sie geben Fehler zu, die sie ihrer Mama niemals gestehen würden. Gestern redete ich mit meinem Rafi ü...

Therapiekrankheit

Gestern hatte ich gefühlte 100 mal das Handy in der Hand, um meine Therapie abzusagen. Wir hatten zwei Woche Pause, da fällt es mir immer am schwersten, wieder hinzugehen. Mir kommt es dann oft so vor, als würd ich einem Fremden gegenübersitzen. Dauert nur ein paar Minuten, aber diese paar Minuten musst mal durchstehen 😂 Irgendwie hab ich mich doch durchgerungen.  Nicht falsch verstehen, mein Therapeut ist super und echt nett. An ihm liegts nichts. Aber, und das ist nicht so bei mir so, Therapie kann auch echt anstrengend sein. Denn du wirst immer wieder mit deinen grössten Sehnsüchten und tiefsten inneren Leid konfrontiert. Bei mir kommen wir komischerweise immer wieder sehr oft auf meine Mama. Haha.  Ich sag, was mich diese Woche beschäftigt hat im negativen Sinne, und schwupps- ich bin wieder das 4 jährige Mädchen, das glaubt, dass seine Mutter sich umbringt, wenn es nicht nett und lieb ist und zu ihr steht statt zum Papa.  Und dann werd ich böse. Böse auf sie, dass s...

Reue

Es gibt ja angeblich Menschen, die absolut nichts in ihrem Leben bereuen.  So in der Art- Ich bereue nichts, denn das hat mich zu dem Menschen gemacht,  der ich jetzt bin. Tolle Einstellung. Ohne Witz, das bewundere ich. Zu seinen Fehlern stehen und zu all dem Scheiss, für den man oft nichts kann.  Ich bin da, Überraschung haha, anders. Ich bereue so vieles in meinem Leben.  Ich bereue meine Kindheit ( für die ich ja lt den Therapeuten nichts kann.) Ich bereue es, mein Leben so lange Zeit nicht im Griff gehabt zu haben. Ich bereue viele viele viele, wenn nicht sogar alle Entscheidungen,  die ich als Alkoholikerin getroffen habe.  Ich bereue meine Beziehungsenden. Nicht dass sie geendet haben,  sondern wie sie geendet haben. Ich bereue meine Unselbstständigkeit, mein fehlendes Selbstvertrauen, meine Mutlosigkeit. Ich bereue,  dass ich nie für mich einstehen konnte. Ich bereue all die Nächte, die ich durchgeweint hab, weil ich mich so sehr hasse. Ic...

Warten

Ich liege grade in der Hängematte in der Sonne. Mit Schal, Winterpulli und betäubt von meinen Medikamenten. Ich hab das grosse Glück, meinen Körper auskurieren zu lassen,  bei Bienensummen, rauschenden Ästen und dem Zwitschern der Vögel. Und trotzdem fühle ich - nichts.  Keine Zufriedenheit,  keine Dankbarkeit. Es kommt mir kein Lächeln über das Gesicht, wenn die warme Sonne meine Nase kitzelt.  Diese einfachen Dinge, über die ich mich freuen könnte. Das vermisse ich unendlich.  Anstelle davon - Leere. Im Kopf, im Körper. Wenn ich meine Gedanken beschreiben müsste, wäre es ein graues Blatt Papier. Ohne irgendeinem Lichtpunkt. Keine Spur Lebensfreude. Und langsam verzweifle ich daran. Ich versuche es so sehr, wahrscheinlich schon viel zu hartnäckig, wieder Freude spüren zu können. Einfach zufrieden sein mit sich und der Situation. Vorfreude? Hatte ich schon lange nicht mehr.  Denn sobald der kleinste Funken Vorfreude in meine Gedanken kommt, wehrt sich alles...