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Hassliebe 2.0

Meine erste Hassliebe in Sachen Suchtmittel ist der Alkohol. Irgendwie klar.  Die zweite, die ich weit seltener und kürzer konsumiert habe, waren meine geliebten Praxiten. Die gehören zu den sogenannten Benzodiazepinen und werden bei Ängsten umd Co. eingesetzt. Ich hab sie auch für den Entzug bekommen zur Beruhigung und gegen das Zittern.  Die müssen langsam und schnell ausgeschlichen werden, denn wenn du die länger als 4 Wochen nimmst, kannst du ganz ganz stark abhängig werden. Und der Entzug ist laut Konsumierenden echt die Hölle. Da war der Alkohol noch ein Klacks dagegen. Trotzdem denke ich oft sehnsüchtig daran, mir so eine Tablette reinzuschmeissen. Aus Mangel an Kontakten (bekommst natürlich nur auf Rezept), hab ich nicht wirklich eine Chance dafür. Eh gut eigentlich,  denn ich weiss, dass ich wenn ich regelmäßig Zugang hätte, die nächste Sucht am Poppes picken hätte. Aber das Gefühl, wenn du auf einer Benzo bist, ist einfach "flauschig". Du fühlst dich wie in rosa...

Leben tauschen

Ich mag Kinder ja bekanntlich nicht besonders gern. Mit vier Ausnahmen.  Meine Nichte, meinen Neffen und die zwei Kleinen meines Cousins. Die lieb ich total. Am liebsten rede ich stundenlang mit meiner Nichte und meinen Neffen über ihre Gedanken,  Gefühle,  Träume usw. Und wenn sie etwas wissen wollen, dann antworte ich ehrlich. Oft vielleicht nicht pädagogisch wertvoll und oft zum Ärger meiner Schwester, aber ich hasse das, wenn man Kindern das Gefühl gibt, nicht alt genug zu sein oder sonstiges.  Denn die Kleinen bekommen um einiges mehr mit als man glaubt. Und bevor sie sich irgendwelche Szenarien zusammenreimen,  erzähle ich ihnen die Wahrheit. Sie wissen zum Beispiel auch, dass ich oft ein bisschen traurig ohne Grund bin, oder dass Alkohol mich sehr sehr krank macht. Deshalb vertrauen sie mir aber auch sehr viele Dinge an, die dann nur ich wissen darf. Oder sie geben Fehler zu, die sie ihrer Mama niemals gestehen würden. Gestern redete ich mit meinem Rafi ü...

Therapiekrankheit

Gestern hatte ich gefühlte 100 mal das Handy in der Hand, um meine Therapie abzusagen. Wir hatten zwei Woche Pause, da fällt es mir immer am schwersten, wieder hinzugehen. Mir kommt es dann oft so vor, als würd ich einem Fremden gegenübersitzen. Dauert nur ein paar Minuten, aber diese paar Minuten musst mal durchstehen 😂 Irgendwie hab ich mich doch durchgerungen.  Nicht falsch verstehen, mein Therapeut ist super und echt nett. An ihm liegts nichts. Aber, und das ist nicht so bei mir so, Therapie kann auch echt anstrengend sein. Denn du wirst immer wieder mit deinen grössten Sehnsüchten und tiefsten inneren Leid konfrontiert. Bei mir kommen wir komischerweise immer wieder sehr oft auf meine Mama. Haha.  Ich sag, was mich diese Woche beschäftigt hat im negativen Sinne, und schwupps- ich bin wieder das 4 jährige Mädchen, das glaubt, dass seine Mutter sich umbringt, wenn es nicht nett und lieb ist und zu ihr steht statt zum Papa.  Und dann werd ich böse. Böse auf sie, dass s...

Reue

Es gibt ja angeblich Menschen, die absolut nichts in ihrem Leben bereuen.  So in der Art- Ich bereue nichts, denn das hat mich zu dem Menschen gemacht,  der ich jetzt bin. Tolle Einstellung. Ohne Witz, das bewundere ich. Zu seinen Fehlern stehen und zu all dem Scheiss, für den man oft nichts kann.  Ich bin da, Überraschung haha, anders. Ich bereue so vieles in meinem Leben.  Ich bereue meine Kindheit ( für die ich ja lt den Therapeuten nichts kann.) Ich bereue es, mein Leben so lange Zeit nicht im Griff gehabt zu haben. Ich bereue viele viele viele, wenn nicht sogar alle Entscheidungen,  die ich als Alkoholikerin getroffen habe.  Ich bereue meine Beziehungsenden. Nicht dass sie geendet haben,  sondern wie sie geendet haben. Ich bereue meine Unselbstständigkeit, mein fehlendes Selbstvertrauen, meine Mutlosigkeit. Ich bereue,  dass ich nie für mich einstehen konnte. Ich bereue all die Nächte, die ich durchgeweint hab, weil ich mich so sehr hasse. Ic...

Warten

Ich liege grade in der Hängematte in der Sonne. Mit Schal, Winterpulli und betäubt von meinen Medikamenten. Ich hab das grosse Glück, meinen Körper auskurieren zu lassen,  bei Bienensummen, rauschenden Ästen und dem Zwitschern der Vögel. Und trotzdem fühle ich - nichts.  Keine Zufriedenheit,  keine Dankbarkeit. Es kommt mir kein Lächeln über das Gesicht, wenn die warme Sonne meine Nase kitzelt.  Diese einfachen Dinge, über die ich mich freuen könnte. Das vermisse ich unendlich.  Anstelle davon - Leere. Im Kopf, im Körper. Wenn ich meine Gedanken beschreiben müsste, wäre es ein graues Blatt Papier. Ohne irgendeinem Lichtpunkt. Keine Spur Lebensfreude. Und langsam verzweifle ich daran. Ich versuche es so sehr, wahrscheinlich schon viel zu hartnäckig, wieder Freude spüren zu können. Einfach zufrieden sein mit sich und der Situation. Vorfreude? Hatte ich schon lange nicht mehr.  Denn sobald der kleinste Funken Vorfreude in meine Gedanken kommt, wehrt sich alles...

Krankes System

Mich hats mal wieder erwischt und ich liege flach. Meine Lunge und mein Brustkorb schmerzen bei jedem Atemzug und Schlucken überlegt man sich zweimal, weil es so wehtut. Trotzdem bin ich nur im Krankenstand,  weil ich eine bakterielle Infektion habe und deshalb ansteckend bin. Ich hätte mir sonst vom Hausarzt alles geholt was ginge,  und wäre am nächsten Tag wieder arbeiten gegangen. Denn wer geht schon wegen ein paar Schmerzen in den Krankenstand?  Dumm. Uns wird dauernd gepredigt,  dass der Körper und die Gesundheit das allerwichtigste sind. Und trotzdem schleppen wir uns mit diversen Problemen in die Arbeit um ja keinen zu enttäuschen und stolz erzählen zu können, dass man nie im Krankenstand ist usw.  Man findet sich selbst so wichtig, dass man glaubt, die Firma könnte ohne einen nicht überleben. Was absoluter Blödsinn ist, denn du bist schneller ersetzt als du deine nicht gegangenen Krankenstände aufzählen könntest.  Aber jeder von uns (denk ich halt?)...

Erwartungen

Früher wäre ich fix als alte Jungfer verbannt worden. Oder als Hexe verbrannt worden. Ich bin bald 32, hab weder Mann, Haus, Kinder noch bin ich Witwe. Ich bin hysterisch, rauche, verbringe ganze Tage im Pyjama, arbeite nicht gerne draussen im Garten und ich lebe von Schmerzmitteln. Alles nicht so gute Voraussetzungen für die früheren Zeiten. Aber heutzutage darf ich so leben. Es gibt zwar immer wieder diese ungläubigen Fragen, ob ich denn nun wirklich wirklich wirklich keine Kinder haben will oder dass der richtige Mann noch kommt. Aber jetzt mal ehrlich.  Für was sollte ich Kinder bekommen,  wenn ich absolut keinen Wunsch danach verspüre? Warum sollte ich mir einen Mann suchen, der dann eh nicht 100 % ig der Richtige für mich ist? Nur damit ich nicht allein bin? Nein danke.  Oder für was sollte ich mir ein Haus bauen,  wenn ich Schulden machen müsste und eh nicht mehr als 2 Räume benötige?  Nur damit ich ins Raster falle? Dass ich vor anderen angeben kann mit ...