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Warten

Ich liege grade in der Hängematte in der Sonne. Mit Schal, Winterpulli und betäubt von meinen Medikamenten. Ich hab das grosse Glück, meinen Körper auskurieren zu lassen,  bei Bienensummen, rauschenden Ästen und dem Zwitschern der Vögel. Und trotzdem fühle ich - nichts.  Keine Zufriedenheit,  keine Dankbarkeit. Es kommt mir kein Lächeln über das Gesicht, wenn die warme Sonne meine Nase kitzelt.  Diese einfachen Dinge, über die ich mich freuen könnte. Das vermisse ich unendlich.  Anstelle davon - Leere. Im Kopf, im Körper. Wenn ich meine Gedanken beschreiben müsste, wäre es ein graues Blatt Papier. Ohne irgendeinem Lichtpunkt. Keine Spur Lebensfreude. Und langsam verzweifle ich daran. Ich versuche es so sehr, wahrscheinlich schon viel zu hartnäckig, wieder Freude spüren zu können. Einfach zufrieden sein mit sich und der Situation. Vorfreude? Hatte ich schon lange nicht mehr.  Denn sobald der kleinste Funken Vorfreude in meine Gedanken kommt, wehrt sich alles...

Krankes System

Mich hats mal wieder erwischt und ich liege flach. Meine Lunge und mein Brustkorb schmerzen bei jedem Atemzug und Schlucken überlegt man sich zweimal, weil es so wehtut. Trotzdem bin ich nur im Krankenstand,  weil ich eine bakterielle Infektion habe und deshalb ansteckend bin. Ich hätte mir sonst vom Hausarzt alles geholt was ginge,  und wäre am nächsten Tag wieder arbeiten gegangen. Denn wer geht schon wegen ein paar Schmerzen in den Krankenstand?  Dumm. Uns wird dauernd gepredigt,  dass der Körper und die Gesundheit das allerwichtigste sind. Und trotzdem schleppen wir uns mit diversen Problemen in die Arbeit um ja keinen zu enttäuschen und stolz erzählen zu können, dass man nie im Krankenstand ist usw.  Man findet sich selbst so wichtig, dass man glaubt, die Firma könnte ohne einen nicht überleben. Was absoluter Blödsinn ist, denn du bist schneller ersetzt als du deine nicht gegangenen Krankenstände aufzählen könntest.  Aber jeder von uns (denk ich halt?)...

Erwartungen

Früher wäre ich fix als alte Jungfer verbannt worden. Oder als Hexe verbrannt worden. Ich bin bald 32, hab weder Mann, Haus, Kinder noch bin ich Witwe. Ich bin hysterisch, rauche, verbringe ganze Tage im Pyjama, arbeite nicht gerne draussen im Garten und ich lebe von Schmerzmitteln. Alles nicht so gute Voraussetzungen für die früheren Zeiten. Aber heutzutage darf ich so leben. Es gibt zwar immer wieder diese ungläubigen Fragen, ob ich denn nun wirklich wirklich wirklich keine Kinder haben will oder dass der richtige Mann noch kommt. Aber jetzt mal ehrlich.  Für was sollte ich Kinder bekommen,  wenn ich absolut keinen Wunsch danach verspüre? Warum sollte ich mir einen Mann suchen, der dann eh nicht 100 % ig der Richtige für mich ist? Nur damit ich nicht allein bin? Nein danke.  Oder für was sollte ich mir ein Haus bauen,  wenn ich Schulden machen müsste und eh nicht mehr als 2 Räume benötige?  Nur damit ich ins Raster falle? Dass ich vor anderen angeben kann mit ...

Narzissmus

Ich lese so oft auf SM von Narzissmus. Obwohl da oft sauber übertrieben ist. Denn nicht jeder, der mal seine Meinung durchsetzt ist gleich ein Narzisst. Aber ist halt eine schöne, moderne Beschimpfung für jemanden, deren Meinung man nicht teilt. Aber wie ist es wirklich in einer narzissitschen Beziehung? Er ist nicht nur in partnerschaftlichen Beziehungen vertreten, sondern in allen Lebensbereichen kann dir ein Narzisst begegnen. Die Schwester, der Chef, der Onkel, die beste Freundin, die Mutter... Und die grösste Frage: Warum verdammt lässt man so lange so mit sich umgehen?  Ganz einfach: Narzissten schleichen sich in dein Herz, überschütten dich mit Liebe und Komplimenten, vor allem vor anderen. Sie können dich so manipulieren,  dass du denkst, dass du die Verrückte, Sensible,  Komische bist. Sie sagen dir die schlimmsten Sachen rein, nur um in der nächsten Minute so zu tun als wär nichts geschehen,  und wenn du dann nicht auch switcht in die neue Stimmung,  b...

Suchtverlagerung?

Ich habe grade mein Kosmetikregal ausgemistet. Und ich bin draufgekommen,  dass ich ein absolutes Konsumopfer bin. 10 Sonnencremes, hunderte ungeöffnete Cremes, 5 verschiedene Haaröle, und unzählbare Augenmasken. Über 10 verschiedene Deos und 8 Trockenshampoos.  Ich kann nicht gut mit Geld umgehen. Entweder ich bin extrem sparsam und komme mit 50 Euro in der Woche aus, oder aber ich shoppe bis zum Umfallen. Und sparsam bin ich nur, wenn das Monatsende noch dauert.   Sobald ich Geld habe, gebe ich es aus. Und das am liebsten online. Klarna ist mein Freund und mein Feind gleichzeitig.  Ich kann mich stundenlang durch die verschiedenen Webseiten klicken. Nur leider kaufe ich das meiste dann auch.  Vorallem bei Neuheiten bin ich Feuer und Flamme. Neues Shampoo? Nehm ich. Neue Formel der Lippenpflege? Nur her damit. Neues Waschmittel? Ach ja, natürlich. Brauche ich es? Natürlich nicht. Aber kurz bin ich glücklich. Wenn die Päckchen dann kommen (mein Postbote lie...

Ich versteh dich

In Deutschland ( in Österreich noch im Aufbau) gibt es den Beruf Genesungsbegleiter. Und das hat mich sooo angefixt.  Als Genesungsbegleiterin bist du in verschiedenen Einrichtungen für psychische Erkrankungen tätig. Eine Voraussetzung für den  Beruf ist, dass du selbst eine psychische Erkrankung hattest und diese erfolgreich bekämpft hast. Also so in die Richtung: Ich als trockene Alkoholikerin würde dann mit anderen Alkoholikern,  die noch nicht trocken sind, zusammenarbeiten.  Wie cool ist das bitte? Denn sind wir uns ehrlich. Niemand versteht Depressionen, Süchte etc so sehr wie jemand, der es selbst erlebt hatte. Therapeuten und so haben natürlich alles gelernt, um uns zu helfen. Aber so richtig eintauchen in unsere Gefühlswelt können sie nicht wirklich. Wie auch ? Wer es nicht selbst erlebt hat, weiss vielleicht alle Fakten und Hintergründe und Hirnzusammenhänge, aber wie sich zb Suchtdruck anfühlt, da kann man sich halt nicht richtig hineinversetzen.  Und...

Happy B-Day to me

2 Jahre ohne einen einzigen Schluck Alkohol. Bäm. Irre, wie schnell die Zeit vergeht. Das zweite Jahr war zwar bei weitem nicht so schlimm wie das erste, aber es hatte doch seine unglücklichen Momente im Bezug zur Sucht. Einmal stand ich zb vor einer Tankstelle, ewig lange, und wollte eigentlich aufgeben. Aber mein Therapeut und eine Benzo (nicht von ihm natürlich) haben Schlimmeres verhindert und ich fuhr ohne Alk wieder nach Hause. Oder die Feier meines Cousins, wo es alles gab, was einen Alkoholiker glücklich macht. Schnapsbar, Gratis Wein und Sekt und ein paar andere trinkfreudige Menschen. Oder der erste warme Tag dieses Jahres, wo ich in der Hängematte lag und soooo getriggert wurde. Denn früher hieß Sonne plus Sonntag plus Hängematte definitiv ein paar Spritzer.  Ich könnte noch ein paar erzählen,  aber ich will mich heute nicht runterziehen lassen von Dingen, die es mir schwer gemacht haben. Sondern heute will ich mal stolz auf mich sein. Denn verdammt,  zwei Jahr...