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Chaos im Kopfi

Jeder mit Depressionen hat schon mal den Satz gehört: Du hast doch alles! Warum bist du traurig? Und glaubt mir, dass ist in jedem depressiven Kopf eh drinnen.  Ich lese ja gern. Jetzt gerade wieder Romane und Biografien über Holocaust- Überlebende. Und ich fass es nicht, dass Menschen sowas überlebt haben. Wie kannst du noch einen einzigen Tag überstehen wollen, wenn du täglich sowas Grausames siehst? Deine Familie getötet wird und du trotzdem noch einen Überlebenswillen hast? Und dann fass ich es noch weniger, dass ich mich so traurig und leer fühle, obwohl ich sowas nicht erlebt habe. Denke wieder daran, wie viel ich vorsätzlich an Hunger gelitten habe, um dünn zu sein? Oder wieder ausgekotzt habe? Irre oder ? Es gibt so viel Schmerz auf dieser Welt. Und ich sitze in meiner gemütlichen,  warmen Wohnung mit vollem Kühlschrank und denke nur ans Aufgeben?  Lange Zeit war meine grösste Sorge, dass mir der Alkohol nicht ausgeht. Wie kann das sein ? Wie kann das gerecht sein...

Gewissensbisse

Ich wurde mal gefragt, ob meine Familie auch meinen Blog liest. Die Antwort ist : NEIN. Dick, fett und unterstrichen. Meiner Schwester würde ich ihn gern mal zu lesen geben, aber ich weiss, dass ihr das wahnsinnig weh tun würde. Denn viele Dinge ( wie meine Essstörung, meine Suizidgedanken) ahnt sie nur, sie weiss es nicht hundertprozentig.   Meine Mutter würde mich aus ihrem Leben streichen. Nicht weil ich irgendetwas erlogen hätte, aber sie würde nicht darüber hinwegkommen, dass ich so über sie schreibe. Kritik verträgt sie nicht. Wenn ich ihr zB nur sage, dass sie einen Krümel im Gesicht hat,  sieht sie das als Angriff und schaltet sofort in den Gegenangriff. Ich liebe sie über alles, aber ihre Wahrnehmung ist anders als meine. In ihren Augen hatte ich eine perfekte Kindheit,  da ich mit Mutter und Vater aufgewachsen bin, immer zu essen hatte und mir es materiell an nichts fehlte. Sie ist auch ohne Liebe aufgewachsen, sie kennt es nicht anders. Das muss ich mir im...

Verdursten

Ich will euch mal erklären, wie sich Suchtdruck anfühlt. Und da ist es egal, ob Alkohol oder Drogen, den Suchtdruck haben wir gemeinsam.  Manche glauben ja, dass wenn jemand ein Bier vor mir trinkt, ich über den Tisch auf sie zukraxle und ihnen den Alk aus der Hand reisse, um dann wie ein Gorilla auf meine Brust zu klopfen und mir das Bier über den Kopf zu leeren.  Wie Gollum, der sich nach dem Ring verzehrt.  Aber so ist es nicht. Wir können uns da schon beherrschen.   Es ist ein Irrglaube zu denken, dass der Suchtdruck immer dann kommt,  wenn jemand vor uns trinkt.    Meistens kommt er schleichend. Du denkst dir zwar : WTF, warum hab ich den scheiß schon wieder? Aber wenns vorbei ist und du reflektierst,  dann checkst du schon dass es ein paar Anzeichen gab und du nicht sorgsam warst. Aber jetzt zum Erleben des Suchtdrucks bzw des Gefühls:  Stellt euch vor ihr seid in einer Wüste oder Steppe. Ihr habt nichts bei euch. Es ist heiss, 40 ...

Schmerzen

Ich bin ein Mensch, der Schmerzen gut aushält. Rückenschmerzen und Knieschmerzen gehören zu meinem Leben, seit ich fast jeden Tag Palette nach Palette verräume. An das hab ich mich schon gewöhnt.  Die schlimmsten Schmerzen meines Lebens war neben der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung der körperliche Entzug. Der kalte war schon der Horror.  Aber heute rede ich über den Entzug in der Psychiatrie.  Denn es ist eine Lüge, dass wenn du ins Spital auf Entzug gehst, du es dir gemütlich machen kannst.  Ich kam mit fast 4 Promille auf die Station. Es gibt Entzugstabletten, aber die bekommst du nicht sofort. Ich musste bis 1,5 Promille "kalt" entziehen,  damit sie mir die Tabletten geben konnten. Und das war heftig. Die Hölle. Erstmal das Offensichtliche: das Zittern. Ich zitterte so stark, dass die Krankenschwester beim Blut abnehmen keine Vene erwischen konnte. Das ganze Bett hat stundenlang geklappert.  Dann schwitze ich so stark, als hätte ich 40 Grad Fieber. ...

Fasching

Vieles kann man ohne Alkohol machen.  Fasching feiern gehört für mich definitiv nicht  dazu. Früher hab ichs geliebt. Am Rosenmontag unterwegs, natürlich mit reichlich Alkohol.  Nur um dann am nächsten Tag den Kater mit reichlich Alkohol zu bekämpfen.  Fremde Leute betrunken auf ihr tolles Kostüm ansprechen,  mit Fremden ein Schnapsi trinken und bei den Umzugswägen grosszügig die Hand aufhalten,  wenn wer Getränke ausgibt.  Und niemand hat dich blöd angeguckt, weil du schon mittags den ersten Spritzer intus hattest. Für Alkoholiker der Tag der Tage.  Sogar in der Schule haben wir uns während des Unterrichts schon mit Klopfer und Feiglingen versorgt. Und am Aschermittwoch in der Arbeit bist freundschaftlich geknufft worden, wennst noch einen Restalkohol in dir hattest. Heute sieht es eher so aus. Fünf Lagen mehr als früher (weil alt und ich keine Blasenentzündung bekommen möchte), Panik und Ärger wegen den Dränglern und Schubsern, viel zu laute Mus...

happy moments

Ich bin ja ein Pessimist wie er im Buche steht.  Statt sich auf etwas freuen zu können, ist mein erster Gedanke "oh gott, was wäre wenn?" 🤔 Macht das Leben nicht einfacher.  Hab schon ziemlich viele Apps, Bücher usw fürs Dankbarkeit lernen. Jetzt schreibe ich mal hier auf, welche kleinen süßen Momente in letzter Zeit mein Leben ein bisschen heller gemacht haben und noch immer tun. Nicht die riesigen,  sondern echt die butzikleinen, die man schnell vergisst.  Wenn mein Kater zu mir ins Bett kommt und sich so eng an mich kuschelt, dass ich mich nicht mehr bewegen kann. Und wenn er nebenbei so kleine süsse Seufzer macht ❣️ Wenn mein Neffe mich mit Minecraft- Wissen vollspamt. Ich kenn mich noch immer Nüsse aus, aber ich höre ihm genau zu und stelle Fragen. Dann blüht er auf, und ich merke wie sehr es ihn freut, dass sich jemand dafür interessiert ☺️ Wenn ich meinen BH ausziehen kann. Ohne Scheiss,  ich bräucht nichtmal einen. Und wenn ich dieses Kack-Ding in die E...

Verlustangst

Verlustängste prägen mich seit ich ein kleines Kind bin. Zuerst, dass Mama mich verlassen könnte. Angedroht hatte sie es ja oft genug. Dann, dass sich meine Eltern gegenseitig umbringen könnten. Der Hass ist gross. Spoiler: sie leben noch beide. Trotzdem hat das was mit mir gemacht. Wenn ich heute einen Menschen gern habe und es zu kleinsten Schwierigkeiten zwischen uns kommt, mache ich zu.  Ich mag wenige Menschen,  und noch wenigern vertraue ich. Und wenn es dann sein könnte, dass mich dieser Mensch in einiger Zeit verlassen könnte, weiche ich sofort zurück. Du willst mir irgendwann wehtun? Nein danke, dann machen wir lieber gleich einen Schlussstrich. Und damit verliere ich viele schöne Momente,  die noch hätten kommen können. Dumm oder? Ich arbeite daran. Aber in der Theorie ist es immer leichter als in der Praxis.