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Suchtverlagerung?

Ich habe grade mein Kosmetikregal ausgemistet. Und ich bin draufgekommen,  dass ich ein absolutes Konsumopfer bin. 10 Sonnencremes, hunderte ungeöffnete Cremes, 5 verschiedene Haaröle, und unzählbare Augenmasken. Über 10 verschiedene Deos und 8 Trockenshampoos.  Ich kann nicht gut mit Geld umgehen. Entweder ich bin extrem sparsam und komme mit 50 Euro in der Woche aus, oder aber ich shoppe bis zum Umfallen. Und sparsam bin ich nur, wenn das Monatsende noch dauert.   Sobald ich Geld habe, gebe ich es aus. Und das am liebsten online. Klarna ist mein Freund und mein Feind gleichzeitig.  Ich kann mich stundenlang durch die verschiedenen Webseiten klicken. Nur leider kaufe ich das meiste dann auch.  Vorallem bei Neuheiten bin ich Feuer und Flamme. Neues Shampoo? Nehm ich. Neue Formel der Lippenpflege? Nur her damit. Neues Waschmittel? Ach ja, natürlich. Brauche ich es? Natürlich nicht. Aber kurz bin ich glücklich. Wenn die Päckchen dann kommen (mein Postbote lie...

Ich versteh dich

In Deutschland ( in Österreich noch im Aufbau) gibt es den Beruf Genesungsbegleiter. Und das hat mich sooo angefixt.  Als Genesungsbegleiterin bist du in verschiedenen Einrichtungen für psychische Erkrankungen tätig. Eine Voraussetzung für den  Beruf ist, dass du selbst eine psychische Erkrankung hattest und diese erfolgreich bekämpft hast. Also so in die Richtung: Ich als trockene Alkoholikerin würde dann mit anderen Alkoholikern,  die noch nicht trocken sind, zusammenarbeiten.  Wie cool ist das bitte? Denn sind wir uns ehrlich. Niemand versteht Depressionen, Süchte etc so sehr wie jemand, der es selbst erlebt hatte. Therapeuten und so haben natürlich alles gelernt, um uns zu helfen. Aber so richtig eintauchen in unsere Gefühlswelt können sie nicht wirklich. Wie auch ? Wer es nicht selbst erlebt hat, weiss vielleicht alle Fakten und Hintergründe und Hirnzusammenhänge, aber wie sich zb Suchtdruck anfühlt, da kann man sich halt nicht richtig hineinversetzen.  Und...

Happy B-Day to me

2 Jahre ohne einen einzigen Schluck Alkohol. Bäm. Irre, wie schnell die Zeit vergeht. Das zweite Jahr war zwar bei weitem nicht so schlimm wie das erste, aber es hatte doch seine unglücklichen Momente im Bezug zur Sucht. Einmal stand ich zb vor einer Tankstelle, ewig lange, und wollte eigentlich aufgeben. Aber mein Therapeut und eine Benzo (nicht von ihm natürlich) haben Schlimmeres verhindert und ich fuhr ohne Alk wieder nach Hause. Oder die Feier meines Cousins, wo es alles gab, was einen Alkoholiker glücklich macht. Schnapsbar, Gratis Wein und Sekt und ein paar andere trinkfreudige Menschen. Oder der erste warme Tag dieses Jahres, wo ich in der Hängematte lag und soooo getriggert wurde. Denn früher hieß Sonne plus Sonntag plus Hängematte definitiv ein paar Spritzer.  Ich könnte noch ein paar erzählen,  aber ich will mich heute nicht runterziehen lassen von Dingen, die es mir schwer gemacht haben. Sondern heute will ich mal stolz auf mich sein. Denn verdammt,  zwei Jahr...

Happy easter

Früher, also bevor ich Vodka wie Wasser trank, aber doch schon viel Wein, hab ich Ostern gern gehabt. Und warum?  An diesem Tag gab es immer Alkohol. Oft schon zu Mittag. So in die Richtung: happy birthday Jesus! Ich trink auf dich !  Und das beste war: immer wenn ich Ostergeschenke versteckte, hatte ich die in einer grossen Tüte. Und in dieser Tüte war auch immer eine Flasche Wein. Denn ich konnte mir sicher sein, dass mich dann keiner dabei erwischen würde, wenn ich innerhalb von ein paar wenigen Minuten die Flasche in grossen Zügen leerte. Denn ich war ja auf Mission Osterhase. Kann man das als Talent sehen, eine 750 ml Flasche Wein in weniger als drei Minuten zu leeren? Das war auch ein Grund, warum ich Wein so sehr liebte. Keine Kohlensäure 😂 Und dann ging ich happy und besoffen wieder rein und dachte schon ans nächste Glas zum Mittagessen. Nur damit hab ich diese -sorry - scheiss Familienessen überlebt. Denn was ist schlimmer als die brodelnde Wut rauszulassen? Sie wege...

Fake

Gestern hab ich mich mit einer Kollegin unterhalten über meine Sucht usw und sie hat mich gefragt, ob dass dann alles fake sei, was ich so von mir gäbe. Ich habs bejaht, aber lange darüber nachgedacht. Der Satz hat mich irgendwie getroffen.  Denn eigentlich stimmt das auch nicht. Ich genieße die Zeit mit meinen Freunden schon. Und wenn ich lache, dann auch meistens aufrichtig.  Es ist eher so, dass ich mir vor einem Treffen unglaublich Gedanken mache, dann beim Treffen ist alles ok, aber DANACH merke ich, dass ich erschöpft war. Wie zum Beispiel heute in der Arbeit. Hatte Dienst mit einigen meiner Lieblingskollegen und hatte auch Spass ( in der Pause und vor der Arbeit haha). Aber als ich mich ins Auto setzte, wurde ich unglaublich müde. Nicht nur körperlich,  sondern vor allem psychisch. Und da merke ich halt dann, dass soziale Kontakte für mich doch anstrengend sind, auch mit Menschen, die ich unheimlich lieb habe. Mit meiner Schwester zum Beispiel kann ich stundenlang ...

Schlaf

Ich liebe es zu schlafen. Gedanken ausschalten. 10 Stunden müssen es MINDESTENS sein. Das Schlafen früher war eine volle Katastrophe. Ich schlief zwar wahnsinnig viel wegen dem hohen Alkoholkonsum. Aber ich war wie gerädert am Morgen. Am schlimmsten wars, als ich schon Pegeltrinker war. Dann musste ich in der Nacht immer wieder trinken, um die Entzugserscheinungen zu mindern. Und wehe ich schlief mal durch und vergaß zu trinken. Dann wachte ich auf und konnte mich vor lauter Zittern nicht gut bewegen. Und dann musste ich kotzen. Immer. Ausser Galle kam natürlich nichts. Dann musste ich trinken, um aufstehen zu können. Also trank ich 10 Schluck Vodka. Das war ca die Hälfte einer 750ml Flasche. Grosse Schlucke natürlich. Zuerst immer nur zwei. Denn dann kämpfte ich mit dem Druck, alles gleich wieder auszukotzen. Und sobald der Alk in meinen Bauchraum war, musste ich mich vor Schmerzen krümmen. Jede Zelle in meinem Körper hat sich mit unglaublicher Kraft gegen das Gift gewehrt. Aber ohne ...

Noelia Castillo

Die 25 jährige Spanierin Noelia wurde von einer Gruppe vergewaltigt. Sie wollte sich dann umbringen, sprang aus dem 5. Stock, überlebte und war seitdem abwärts gelähmt. Jetzt hat sie Sterbehilfe in Anspruch genommen. Und die Kommentare dazu sind unterirdisch. Von "das muss verboten werden", bis "man müsste ihr doch mit therapeutischer Hilfe helfen können". Und das sind noch die netteren Kommentare.  Ich hab da meine ganz eigene Meinung dazu. In Spanien ist Sterbehilfe erlaubt. Also hat KEINER das Recht, das irgendwem abzustreiten oder schlecht zu machen. Jeder reagiert anders auf schlimme Ereignisse. Und eine Vergewaltigung ist so ziemlich das Schlimmste, das einer Frau passieren kann. Diese Demütigung zu überleben, das muss man erst mal schaffen. Also weiss jeder, der schon mal mit so etwas zu tun hatte, wie schlimm dann erst eine Gruppenvergewaltigung sein muss. Und jeder, der das nicht weiss, hat sowieso die Klappe zu halten. Sie wollte sich schon mal das Leben n...