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Entmutigung

Was mich oft extrem entmutigt ist die Tatsache,  dass ich eventuell noch 30 Jahre (hoffentlich nicht länger) lebe.  Und noch weitere 30 Jahre trocken bleiben muss. Ja, MUSS und nicht DARF.  Wie viele waren mit mir auf Langzeitreha und in der Psychiatrie,  die jahrelang trocken waren und danach wieder einen Rückfall hatten? Und wie jeder weiss, ein Rückfall nach einigen Jahren ist schlimm. Nicht nur weil dein Körper diese Mengen nicht mehr aushalten kann. Sondern auch psychisch. Du arbeitest dir den A**** auf, damit du trocken wirst. Dann hast ein paar gute Jahre und dann WUUUSCH, alles wieder auf Anfang.  Eine frühere Arbeitskollegin vor meiner Zeit war auch fünf Jahre trocken, um danach einen Rückfall zu haben und einen Suizid versucht hat. Und ganz ehrlich? Ich kann sie soooo verstehen. Wer möchte sich schon eingestehen, wieder versagt zu haben? Wer möchte die Blicke der anderen ertragen müssen? Wer möchte die Wut und die Trauer über den Rückfall in den Gesich...

Empfehlungen

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Ich lese ja wahnsinnig gern. Deshalb hab ich einige gute Tipps für Alkoholiker und Angehörige.  Das erste, was mir wahnsinnig geholfen hatte, war "Lieber schlau als blau ". Mit dem Buch lernt man zu verstehen,  was im Körper (vor allem im Gehirn) eines Alkoholikers anders läuft. Viele Ahaaaa- Effekte. Auch gut für Alkis,  die noch nicht wissen, dass sie Alkis sind. Das zweite wäre "Trocken". Endlich mal jemand,  der nicht davon erzählt,  dass das Leben ohne Alkohol gleich in der ersten Sekunde wunderschön ist. Das ist es nämlich NICHT. Lasst euch nix einreden, es ist ein schwerer Kampf. Eine Schauspielerin,  die ihre Alkoholsucht öffentlich gemacht hat. Gut geschrieben,  und jeder Alkoholiker erkennt sich wieder. Dann noch für Angehörige,  das hab ich zum Beispiel meiner Mama lesen lassen. Seitdem versteht sie mich ein bisschen besser. Und noch eine Geschichte eines Alkoholikers, der schon mehr tot a...

Chefin mit Defiziten

Hattet ihr schon mal eine depressive Ex-Süchtige als Filialleitung? Alle die jetzt Nein sagen würden, ich bin mir sicher, dass der ein oder andere falsch liegt. Die menschlichen Abgründe sind tief haha.  Mein Team könnte das jetzt mit Ja beantworten.  Ich bin Hauptvertretung in einer grossen, umsatzstarken Filiale. Da mein Chef, der Filialleiter, gerade aus gesundheitlichen Gründen einige Wochen ausfällt,  bin jetzt ich sozusagen die Filialleitung für diese Zeit. Ich hab ein wunderbares Team hinter mir und auch ein paar sehr fähige andere Führungskräfte, aber das meiste bleibt doch an mir.  Und ich liebe es. Manchmal jedenfalls 😂  Ich versuche mein Bestes. Aber mein Perfektionismus und meine Zerdenkerei machen es mir manchmal selbst ziemlich schwer.  Ich brauche Struktur. Ich weiss bei Arbeitsbeginn ganz genau, wann ich was machen muss, um dann nach der Schicht zufrieden nachhause gehen zu können. Und ich gebe immer 120% , bei weniger fühl ich mich schlech...

Arbeit und Sucht, wem sag ichs?

Wenn man so wie ich lange in der Psychiatrie und dann auch noch auf Reha, brodelt natürlich die Gerüchteküche.  Vor allem im Arbeitsumfeld. Wo ist sie? Was hat sie ? Nimmt die Drogen ? Komischerweise hat ja keiner bemerkt,  dass ich mich nur flüssig ernährt hatte.  Und es war mir sehr unangenehm,  als es bei manchen Kollegen dann OHNE mein Zutun (danke Mama an dieser Stelle) rausgekommen ist, dass ich Alkoholikerin war/bin. Die Scham sitzt halt tief, vor allem wenn man noch trinkt und hadert.  Aber ich habe irrsinnges Glück. Alle die es wussten, hielten dicht. Und die anderen Kollegen redeten zwar, aber konnten nichts beweisen.  Deshalb nahm ich meine anderen Diagnosen als Vorwand, wenn ich darauf angesprochen wurde, wo ich so lange war. War ja nicht gelogen, nur halt auch nicht die ganze Wahrheit. Seit ich trocken bin und das erste Jahr gut überstanden habe, bin ich mutiger geworden. In meinem privaten Umfeld wissen es jetzt ziemlich alle, auch dank meines...

Wo gehe ich hin ?

Ein Süchtiger gilt immer als verlogen und egoistisch. Lügen können wir echt wahnsinnig gut. Das gehört zum Krankheitsbild. Wie ein Magersüchtiger über seine Kalorienzufuhr lügt, so lügt ein Alkoholiker über seinen Konsum. Vor allem, wenn er schon mal von seinen Menschen im Umfeld deswegen hopps genommen wurde. Und obwohl er Familie/Freunde, ALLES verliert, hört er nicht auf zu trinken. Viele fragen sich, warum man einem Süchtigen nicht bekehren und helfen kann.  Ganz einfach. Du kannst niemals entziehen und auf lange Zeit trocken werden, wenn es nicht selbst in deinem Kopf Klick gemacht hat. Da kannst du noch so in die Scheisse reiten, dein Partner kann sich trennen, deine Kinder können dich hassen.  Sobald nicht dieser Punkt kommt,  säufst du weiter. Unverständlich für alle anderen, aber das normale Leben eines Alkoholikers. Und das kann der Alkoholiker wahnsinnig gut verstecken. Wir wären tolle Schauspieler.  Wenn es endlich wirklich im Kopf Klick gemacht hat ( mei...

Bucket list

Nachdem ich ja anscheinend doch noch ein bisschen länger lebe, hab ich mal überlegt, was ich noch alles erleben oder erreichen möchte. Ich will einmal nicht müde sein. Einmal ausgeschlafen aufwachen,  und den ganzen Tag Energie haben. Achja, und einmal keine Rückenschmerzen.  Ich will nochmal in mein Sehnsuchtsland: Kenia. Und diesmal am liebsten gleich einen Monat. Ich möchte reiten lernen und dann einmal bei den Winnetou-Spielen als Indianerin mitmachen. Ich möchte so viel wie möglich von der Welt sehen. Ich möchte im Lotto gewinnen. Haha. Wer nicht. Ich möchte mir einen Tag mal keine unnötigen Gedanken machen und mich nicht aufregen.  Ich möchte mich endlich mal wohl in meinem Körper fühlen. Ich möchte auf die Meinung anderer sch**** können. Ich möchte ein Buch rausbringen über mein Leben als Süchtige. Ich möchte ein Glas Sekt trinken ( an meinem Sterbebett haha). Ich möchte glücklich und zufrieden sein mit dem wer ich bin und dem was ich habe. 

Die Abgründe der Menschen

Ich liebe True Crime. Könnte ich stundenlang ansehen, genauso wie Dokus über das Leben hinter Gittern.  Netflix sei Dank, dass ich da sehr viel Auswahlmöglichkeiten habe. Gerade lese ich ein Buch über Serienmörder.  Ich finde es abscheulich und  faszinierend zu gleich, dass es solche Menschen gibt. Wobei die Faszination überwiegt. Nicht wegen dem Blut oder den abgetrennten Körperteilen a la Jeffrey Dahmer. Sondern wegen dem Warum. Was bewegt Menschen dazu, jemand anderen gern Schmerzen zu bereiten? Oder ihn eben gar umzubringen? Wie kann es sein, dass freundliche Mitmenschen, die dir auf der Straße ein Lächeln zuwerfen, in ihren eigenen vier Wänden Unvorstellbares mit anderen tun? Wenn mein Köpfchen ein bisschen mehr Gehirnzellen hätte ( auch schon ohne den Alkohol- Schaden) und ich nicht so sensibel und gutgläubig wäre , wäre ich unglaublich gern entweder Profiler oder Gefängnispsychologin geworden.  Ich stell mir das wahnsinnig spannend vor.  In die Welt eines...