Einzelhandel

Ich hasse Feiertage. Also nicht die Feiertage an sich. Frei haben ist schon geil.
Die Tage vor und nach einem Feiertag hasse ich wie die Pest. Wir haben wahnsinnig viele Kunden am Tag, guter Standort halt. Und vor Feiertagen verdoppelt sich das Ganze gern mal.

Aber an diesen Tagen komme ich immer an meine Grenzen. Da hätt ich dann oft einen Guster auf einen Feierabend-Drink. Oder drei bis zehn.

Ich brauche Struktur. Ich liebe es ungemein, wenn ich einen Plan habe und der dann so aufgeht. Privat und auch in der Arbeit. Und Ruhe. Lautstärke halte ich nur sehr schwer aus. Ich bekomme dann Herzklopfen und muss mich darauf konzentrieren,  richtig zu atmen, sonst kommt die Panik.

Die Arbeit an sich stört mich gar nicht. Ich hab zwar abends Kreuzweh des Todes und geschwollene Füsse, aber mei, das halt ich aus. Aber psychisch geht mir das echt an die Nieren. Gefühlte tausend Menschen um dich herum, fünf verschiedene Sprachen und diese extreme Lautstärke. Deshalb hasse ich Kassa wie die Pest. Gott sei Dank bin ich selten. Drei bis vier Kassen- das Gepiepse der anderen Kassen, meine eigene, mindestens einer der lautstark telefoniert und meistens ein schreiendes Kind. Und nebenbei musst freundlich sein und richtig rausgeben. Achja, Pfand piepst dazu und neben dem Kassieren hörst noch durchs Headset was deine Kollegen so besprechen. 
Am liebsten würde ich mir dazwischen immer die Ohren zuhalten oder einfach aufstehen und kurz rausgehen und mich verstecken.

Dann Gedränge, fremde Menschen stupsen dich an und so viele verschiedene Gerüche.
Du schreist tausendmal "Achtung" , da du ja Ware verräumen musst, aber keiner gibt dir ein Gehör. Und wenn du grüsst, kommt bei der Hälfte mal gar nichts zurück. (Ausser bei der Kassa, da wird meistens gegrüßt.) Und komischerweise stellt immer ein Kunde seinen Wagen so hin, dass weder wir mit die Paletten noch die anderen Kunden durchkommen. Und mitten im Gang redet man dann gern mal eine Viertelstunde mit den Nachbarn, den gerade zufällig auch Einkaufen ist. Kann man ja nicht vorm Geschäft machen.

Dann findest Lebensmittel,  die achtlos irgendwo hineingeschmissen werden, weil man nach fünf Schritten drauf kommt, dass man das doch nicht benötigt. Egal ob Tiefkühlware oder Kühlung oder Backbox.

Und dann diese hundert Fragen. Nicht die, die zb die Germ nicht finden,  da helf ich gerne.
Aber manche kommen bei der Tür rein und fragen dich,  wo die Eier sind. Sorry, aber schauen wär mal nicht schlecht. Und wenn Produkte aus sind, dann wird anscheinend oft vermutet, dass wir diese im Lager verstecken, dass sie ja nicht gekauft werden. Kein Karfiol mehr am Mittwoch um 19.00? Frechheit. Kein frisch gebackenes warmes glutenfreies, veganes Brot mehr um halb sieben? Saftladen. 

Du weisst nicht was du zuerst machen sollst, und als Perfektionistin werd ich dann immer ungemütlich,  weil es nicht so läuft wie ich gerne hätte. 

Und an solchen Tagen denke ich mir nur, was zum Teufel ich dort eigentlich mache.

Und dann sitz ich abends mit meinen Kollegen völlig fertig vorm Geschäft und seh meine Kollegen an. Und weiss wieder, warum ich nicht kündige. Denn diese Menschen sind unbezahlbar. Die meisten jedenfalls haha. Und mit denen haltet man sogar die schlimmsten Tage durch. 

Mimimi- Ende.

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