Warten
Ich liege grade in der Hängematte in der Sonne. Mit Schal, Winterpulli und betäubt von meinen Medikamenten. Ich hab das grosse Glück, meinen Körper auskurieren zu lassen, bei Bienensummen, rauschenden Ästen und dem Zwitschern der Vögel. Und trotzdem fühle ich - nichts.
Keine Zufriedenheit, keine Dankbarkeit. Es kommt mir kein Lächeln über das Gesicht, wenn die warme Sonne meine Nase kitzelt.
Diese einfachen Dinge, über die ich mich freuen könnte. Das vermisse ich unendlich. Anstelle davon - Leere. Im Kopf, im Körper. Wenn ich meine Gedanken beschreiben müsste, wäre es ein graues Blatt Papier. Ohne irgendeinem Lichtpunkt. Keine Spur Lebensfreude. Und langsam verzweifle ich daran. Ich versuche es so sehr, wahrscheinlich schon viel zu hartnäckig, wieder Freude spüren zu können. Einfach zufrieden sein mit sich und der Situation.
Vorfreude? Hatte ich schon lange nicht mehr.
Denn sobald der kleinste Funken Vorfreude in meine Gedanken kommt, wehrt sich alles in mir, diese auch anzunehmen. Stattdessen kommen sofort Gedanken, was nicht alles schiefgehen könnte oder mir das vermiesen könnte. Dabei bin ich selbst die Einzige, die es sich selbst vermiest.
Als würde mein Kopf mich warnen wollen. Freu dich nicht, denn es wird wieder schlimmer. Halt stopp: Lachst du etwa? Es wird dir bald vergehen. Niemals ist es dir vergönnt, dieses schöne Gefühl länger zu halten.
Ich hasse es. Und ich möchte, dass es aufhört. Diesen "Hunger aufs Leben"?
Kenn ich nicht. Es fühlt sich eher an wie Warten. Warten, damit es endlich vorbei ist und ich hopps gehe. Wie im Wartezimmer beim Arzt. Es zieht sich hin. Es ist langweilig. Es ist frustrierend.
Und nachdem ich ja erst 31 bin, kann sich das leider noch sehr lange ziehen.
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