Memme

Meine Mama hat heut zu mir gesagt, dass ich eine Memme bin, weil ich in Therapie bin.

Da bin ich ausgezuckt.
Denn ich brÀuchte höchstwahrscheinlich keine Therapie, wenn:

Sie meinen Vater frĂŒh verlassen hĂ€tte.
Sie nicht jedes kleine Ding von mir kritisiert und mich seit ich denken kann fĂŒr unfĂ€hig befindet. In allem. 
Sie mich mal umarmt hÀtte oder "Ich hab dich lieb" gesagt hÀtte.
Sie mich nicht bestraft hĂ€tte, wenn ich lustig, traurig, wĂŒtend, Ă€ngstlich, fröhlich usw war. Jede Emotion war und ist ihr zu viel.
Sie mir nicht dauernd damit gedroht hĂ€tte, sich was anzutun oder nie wieder nachhause zu kommen, als ich klein war. 
Sie mich einmal beschĂŒtzt hĂ€tte, und nicht immer zu den anderen geholfen hĂ€tte, wenn mich jemand beleidigte oder mir weh tat.
Sie mich als Kind nicht als Puffer zwischen ihren und Papas Streit benutzt hÀtte.
Sie mich einmal besorgt gefragt hĂ€tte,  warum ich so dĂŒnn war oder warum ich Narben am Körper hab oder warum ich eine Vodkaflasche im NachtkĂ€stchen versteckt hatte.
Sie mich nicht mit jedem anderen Kind der Welt verglichen hÀtte. Und ich dabei immer schlechter war als alle anderen.
Sie mich nicht geschimpft hÀtte, wenn ich mal wieder weinte, weil meine Eltern so laut stritten.
Sie mich nicht so dermassen zur Sau gemacht und angeschrien hĂ€tte, als ich ein Reh zusammengefĂŒhrt hatte,  mein Auto einen 8000 Euro Schaden hatte und ich eh schön völlig zerstört war. Nein, sie musste mir noch reindrĂŒcken dass ich zu depat zum Autofahren gewesen sei.
Sie mich nicht abgrundtief gehasst hÀtte, als ich mit meinem Leben rang als ich den ersten Entzug hatte.

Ich könnte ewig so weitermachen. Aber ICH bin die Memme, weil ich mein Leben verbessern möchte und diesen ganzen Scheiss aus meiner Kindheit aufarbeite. UND fast zwei Jahre nĂŒchtern bin, obwohl sie sich kein StĂŒck verĂ€ndert.

Vielleicht bin ich in einem Punkt wirklich eine Memme. Dass ich noch immer zulasse dass sie so mit mir redet. 

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