Gewissensbisse
Ich wurde mal gefragt, ob meine Familie auch meinen Blog liest. Die Antwort ist :
NEIN. Dick, fett und unterstrichen.
Meiner Schwester würde ich ihn gern mal zu lesen geben, aber ich weiss, dass ihr das wahnsinnig weh tun würde. Denn viele Dinge ( wie meine Essstörung, meine Suizidgedanken) ahnt sie nur, sie weiss es nicht hundertprozentig.
Meine Mutter würde mich aus ihrem Leben streichen. Nicht weil ich irgendetwas erlogen hätte, aber sie würde nicht darüber hinwegkommen, dass ich so über sie schreibe. Kritik verträgt sie nicht. Wenn ich ihr zB nur sage, dass sie einen Krümel im Gesicht hat, sieht sie das als Angriff und schaltet sofort in den Gegenangriff.
Ich liebe sie über alles, aber ihre Wahrnehmung ist anders als meine. In ihren Augen hatte ich eine perfekte Kindheit, da ich mit Mutter und Vater aufgewachsen bin, immer zu essen hatte und mir es materiell an nichts fehlte. Sie ist auch ohne Liebe aufgewachsen, sie kennt es nicht anders. Das muss ich mir immer wieder sagen, denn dann kann ich besser mit ihren Wutausbrüchen umgehen.
Aber dass sie es mit ihren eigenen Kindern anders machen hätte können, auf das ist sie nie gekommen. Sie zieht auch oft meine Therapie ins Lächerliche. Tja, den Satz "Ich bin in Therapie weil es meine Eltern nicht waren" könnte ich mir auf die Stirn tätowieren. Sie wird sich nie ändern können und die Mutter sein, die ich als Kind so sehnsüchtig gebraucht hätte.
Für sie werde ich mein Leben lang das kleine, böse, unfähige Kind bleiben. Denn so kann sie die Kontrolle über mich behalten.
Und deshalb werde ich alles versuchen, um sie von diesen Blog fernzuhalten.
Meinen Vater ist es sowieso egal.
Ich habe auch oft genug Gewissensbisse, wenn ich mit meiner Mama mal gute Zeiten habe. Dann denke ich mir, dass ich der gemeinste Mensch aller Zeiten bin.
Aber mein Therapeut hat mal gesagt: man kann auch jemanden lieben, und trotzdem wütend auf ihn sein.
Warum ich trotzdem schreibe, obwohl ich mich manchmal deshalb schlecht fühle? Weil es mir hilft, es zu verarbeiten und zu reflektieren. Und die wirklich schlimmen Dinge, die sind zurzeit eh noch immer nur in meinem Kopf, über die kann ich nicht schreiben. Muss ja nicht jeder alles wissen.
Es gibt genug andere dysfunktionale Familien, die nach außen hin heile Welt spielen, innen drinnen aber zerbrochen sind. Und diesen Menschen möchte ich zeigen, dass sie nicht alleine sind. Und das es okay ist, alte Gewohnheiten und Erziehungsmethoden zu durchbrechen.
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