Wo gehe ich hin ?

Ein Süchtiger gilt immer als verlogen und egoistisch. Lügen können wir echt wahnsinnig gut. Das gehört zum Krankheitsbild. Wie ein Magersüchtiger über seine Kalorienzufuhr lügt, so lügt ein Alkoholiker über seinen Konsum. Vor allem, wenn er schon mal von seinen Menschen im Umfeld deswegen hopps genommen wurde. Und obwohl er Familie/Freunde, ALLES verliert, hört er nicht auf zu trinken.

Viele fragen sich, warum man einem Süchtigen nicht bekehren und helfen kann. 

Ganz einfach. Du kannst niemals entziehen und auf lange Zeit trocken werden, wenn es nicht selbst in deinem Kopf Klick gemacht hat. Da kannst du noch so in die Scheisse reiten, dein Partner kann sich trennen, deine Kinder können dich hassen.  Sobald nicht dieser Punkt kommt,  säufst du weiter.
Unverständlich für alle anderen, aber das normale Leben eines Alkoholikers. Und das kann der Alkoholiker wahnsinnig gut verstecken. Wir wären tolle Schauspieler. 

Wenn es endlich wirklich im Kopf Klick gemacht hat ( meistens wenn man ganz ganz ganz tief am Boden ist), dann kann man sich Hilfe holen. Aber wo fängt man an ?

Ich glaube, dass es einen Unterschied macht, ob du "nur" psychisch oder auch schon physisch süchtig bist.

Wenn man "nur" psychisch abhängig ist, gibt es zB. bei uns in Österreich die Suchthilfe der Caritas. Gratis und unkompliziert.  Diese helfen dir dann, indem sie mit dir gemeinsam psychologische Hilfe beantragen,  Selbsthilfegruppen finden usw. Das Wichtigste bei denen ist, dass sie dich nicht verurteilen und dir zuhören. Alternativ kann man auch zum Hausarzt gehen, aber die Suchthilfe finde ich besser, da die ja extra darauf geschult sind. 

Wennst körperlich auch schon im Arsch bist, wird es etwas schwieriger.  Denn dann musst du zuerst körperlich entziehen und erst danach die Sucht anzugehen.  
Das ist am besten im Krankenhaus/in der Psychiatrie möglich. Denn ohne zu lügen, der körperliche Entzug war die absolute Hölle. Ohne Medikamente gegen Entzugserscheinungen und die Kontrolle der Ärzte wäre ich ziemlich wahrscheinlich gestorben. Also- nicht zuhause machen. Der erste kalte Entzug geht vielleicht zuhause gut, der 4,5,6 dann jedoch nicht mehr.

Nach dem körperlichen Entzug:
Ohne therapeutischer Hilfe kannst dir gleich wieder eine Flasche kaufen. Denn nur weil der Alk nicht mehr in deinem Blut ist, ist er trotzdem noch in deinem Gehirn. Und jeder trinkt aus irgendeinem Grund. Wenn dieser nicht gesucht und geheilt wird, wirst du nie von dem Dreckszeug wegkommen. Also Gesprächstherapie. Oder Selbsthilfegruppen. 
Mir persönlich hat die Langzeittherapie unglaublich gut geholfen. Ich würde diese jedem ans Herzen legen, egal ob psychisch und körperlich,  oder nur psychisch abhängig.

Dort lernt man, was in deinen Kopf anders ist,  was die Sucht mit deinem Hirn macht und viele Übungen, um zu widerstehen. 
Und dann, erst wenn du wieder zuhause bist, beginnt der Kampf. 


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