Psychiatrie- Survival Tipps

Ich war ja ganz lange in der Psychiatrie. Akutstation. 
Das Wort selbst ist ja schon so negativ behaftet, dass es noch immer ein Tabuthema ist, darüber zu reden. 
Jeder glaubt immer,  dass nur die extremen Irren da hin kommen. Ich stellte mir die Psychiatrie immer so ähnlich wie Askaban aus Harry Potter vor. 

Tja,  so war es nicht. Trotzdem gibts schönere Krankenhausaufenthalte.

Für alle, die vielleicht auch mal dort landen (sag niemals nie, alleine Depressionen könnten schon dazu führen ) will ich eine Liste erstellen,  wie du dir das Leben dort so schön wie möglich machen kannst.

Erster Tipp: Schliesse gleich bei deiner Ankunft den Vorhang, der dich vom Bett deiner Zimmernachbarin trennt. Du willst weder alles sehen, noch möchte sie dich beim Schlafen beobachten. Und IMMER deinen Spind zusperren.

Wenn du in den Garten gehst, nimm die Treppe (drei Stockwerke), denn deine Muskeln werden durch das Nichtstun sofort weniger und so bleibst du fit. Vor allem Raucher, die alle halbe Stunde runtergehen.

Setz dich nicht zu den anderen in den Aufenthaltsbereichen, wenn du deine Ruhe haben willst und nicht reden willst. Es gibt dort Menschen, die sich das sehr zu Herzen nehmen und/oder es nicht verstehen können.

Falls du eine Gruppe nicht besuchen willst, stell dich schlafend oder versteck dich im Garten. Es sucht dich niemand außerhalb der Station.

Erwarte dir von den Gruppen nicht zu viel. Du bist dort unter anderem mit Menschen die Beeinträchtigungen haben, dement sind oder traumabehaftet. Aber keine Sorge, die meisten machen doch Spass.

Nimm dir Beschäftigung mit. Das WLAN funktioniert öfters nicht, und wenn es Fernseher gibt, dann nur einen im Gemeinschaftsraum.  Kreuzworträtsel sind immer toll, die kannst du auch mit den anderen machen. 

Geh beim Essen entweder ganz am Anfang oder ganz zum Schluss. Die meisten "harten" Fälle werden zwischendurch reinkommen,  und das kann je nach Verfassung etwas unappetitlich werden. 

Ohrstöpsel und Kopfhörer sind sowieso Pflicht. Deine Mitpatienten können wahnsinnig laut werden. 

Erwarte dir nicht zu viel Hilfestellung von Therapeuten.  Die Psychiatrie ist eher dazu da, aufzufangen.  Ausserdem sind die meisten Psychotherapeuten noch Babys mitten im Studium. No hate- können auch lieb sein.

Letzter Punkt: Such dir mindestens 2 Pfleger,  die dir sympathisch sind und schleim dich ein bisserl bei ihnen ein. Genauso mindestens eine Putzkraft und eine Essenskraft. Und ein Psychiater der zu dir hilft ist auch immer ganz nett. ( Danke Frau Doktor D.F) 😉
Verbündete brauchst immer.

Und das wichtigste: trau dich an andere heran! Niemand ist besser oder schlechter dort. Ich hab so nette Menschen kennengelernt,  und nur weil jemand krank ist, heisst das nicht, dass er uninteressant ist. Habe zb wahnsinnig viel über andere psychische Erkrankungen gelernt von den Patienten selber.


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