Komm und hol mich doch
Ich habe noch keinen Menschen mit Sucht und/ oder Depressionen kennengelernt, die nicht mal mindestens einmal ganz konkret an Suizid gedacht haben. Das gehört fast selbstverständlich zum Krankheitsbild.
Ehrlich gesagt, kann ich es kaum glauben, dass es Menschen gibt, die ihr Leben so gern haben, dass sie noch nie darüber nachgedacht haben.
Manche Menschen haben solch grosse Angst vor ihrem Tod. Das verstehe ich nicht. Ich habe zwar unglaubliche Angst, dass einer meiner Liebsten stirbt. Aber eher nur aus Egoismus, da ich ja dann ohne diesen Menschen weiterleben müsste. Denn der Tod ist nur für die Hinterbliebenen schlimm.
Aber ich selbst? Das ist mir echt komplett schnuppe. Wenn ich heut erfahren würde, dass ich morgen sterben würde, würde ich mich glücklich ins Betti kuscheln, ohne Scheiss.
Natürlich würde ich einen schmerzfreien Tod bevorzugen. Aber was soll danach schon Schlimmes kommen?
Wer an die Hölle glaubt, die gibt es auch auf Erden.
Und diejenigen, die an Gott glauben, haben sowieso das grosse Los, von wegen Paradies und zurück zum Schöpfer. Vor was sollte man sich da fürchten ?
Ich finde, jeder Mensch hat das Recht selbst zu entscheiden, wenn er nicht mehr kann und gehen will. Ob das nach langer Krankheit, schwerem Verlust in der Familie oder schlicht und einfach der Wunsch vom Nicht-mehr-Existieren ist. Ich würde niemals schlecht über jemanden denken, der sich das Leben nahm. Ich würde Mitgefühl empfinden, da auch für diese Person das Leben nicht gut war und mich mit ihm freuen, dass er jetzt erlöst ist und keine Schmerzen mehr hat. Ja, auch seelischer Schmerz kann unheimlich schlimm wehtun.
Ich glaube aber, wenn man offener darüber reden könnte, wenn einem die Sehnsucht nach dem Tod packt, könnte vieles verhindert werden. Wenn ich jetzt jemanden erzählen würde, dass ich gerne sterben würde, werde ich entweder in der Psychiatrie zwangseingewiesen oder davon überzeugt, dass das Leben doch so schön sein kann und ich ja keinen Grund habe, das zu fühlen, da ich ja alles habe bla bla bla. Und ich würde mich dann schämen und nicht mehr darüber reden. Das macht das Ganze aber nicht besser. Und dann würden alle sooo überrascht tun, wenn ich jux gehen würde.
Da würde es eher helfen wenn jemand mal zugeben würde: Diese Phase hatte ich auch mal, das und das hat mir geholfen. Oder: Was müsste ich tun, um dich von den Gedanken abzulenken?
Ich würde mich nur über eines freuen, und das war auch der Hauptgrund für meine Suizidgedanken : Ruhe im Kopf. Und entweder vollste Zufriedenheit oder eben absolut gar nichts mehr spüren.
Achja, und eventuell alle Tiere, die bisher von mir gestorben sind, auf einer grossen Wiese wiedersehen. Träumen darf man ja.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen