Arbeit und Sucht, wem sag ichs?

Wenn man so wie ich lange in der Psychiatrie und dann auch noch auf Reha, brodelt natürlich die Gerüchteküche.  Vor allem im Arbeitsumfeld. Wo ist sie? Was hat sie ? Nimmt die Drogen ? Komischerweise hat ja keiner bemerkt,  dass ich mich nur flüssig ernährt hatte. 

Und es war mir sehr unangenehm,  als es bei manchen Kollegen dann OHNE mein Zutun (danke Mama an dieser Stelle) rausgekommen ist, dass ich Alkoholikerin war/bin. Die Scham sitzt halt tief, vor allem wenn man noch trinkt und hadert. 
Aber ich habe irrsinnges Glück. Alle die es wussten, hielten dicht. Und die anderen Kollegen redeten zwar, aber konnten nichts beweisen. 
Deshalb nahm ich meine anderen Diagnosen als Vorwand, wenn ich darauf angesprochen wurde, wo ich so lange war. War ja nicht gelogen, nur halt auch nicht die ganze Wahrheit.

Seit ich trocken bin und das erste Jahr gut überstanden habe, bin ich mutiger geworden. In meinem privaten Umfeld wissen es jetzt ziemlich alle, auch dank meines Blogs. Das fällt mir um einiges leichter, dass man meine Geschichte lesen kann und ich die nicht erzählen muss. Und es wurde durchaus ( also vor mir) positiv behandelt. Was hinter meinem Rücken gesprochen wird, ist mir egal, solange ich es nur nicht höre 🤫

Ein paar weitere Kolleginnen, die mir sehr am Herzen liegen, hab ich auch eingeweiht. Aber bei manchen bin ich vorsichtig.  Nicht jeder will dir was Gutes tun. Und es gibt ein paar Menschen,  die diese Schwäche von mir sicher ausnutzen könnten. Und das will ich um jeden Preis verhindern.  Ich kenne ja schon aus meiner Familie diese Sätze. 
"Oh du bist aber gut drauf, trinkst du wieder? "
" Warum bist du so launisch? Hast wieder wo eine Flasche versteckt? " 
Und das macht mich irrsinng wütend.  

Und es gäbe sicher die eine oder andere auf der Arbeit, die das gleiche abziehen würde und Gerüchte streuen würden, wenn ich meine Emotionen mal wieder nicht im Griff haben könnte. 

Deshalb hab ich meinen kleinen Kreis, dem ich vollstens vertraue. 
Und die anderen können ruhig gerne weiter hinter meinem Rücken tuscheln 🤗


Im Endeffekt ist es jedem selbst überlassen,  wie viel oder ob er überhaupt seinem Arbeitsumfeld etwas über seine Sucht erzählen mag. Ganz wichtig: Man MUSS es keinem sagen, nur freiwillig. 
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass es mir hilft, mit anderen zu reden, wenns mal nicht so läuft oder ich keine Ausrede brauche, um zb keinen Alk aufzuwischen oder nachzuteilen.  
Aber ich muss auch dazu sagen, dass ich viele meiner Kollegen auch zu meinen wirklichen Freunden zählen kann ❣️

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