Sex, drugs and rock'nroll. Oder so.

Früher hätte ich mich nie getraut, über mein Sexualleben auch nur zu sprechen. Es mit Fremden zu teilen, ist dann noch eine Schippe drauf. Aber egal, jeder hat es, jeder will es. Also los.

Wenn du dein ziemlich ganzes erwachsenenes Leben lang betrunken warst, warst du das natürlich auch beim Sex. 

Ohne Alkohol war es mir nichtmal möglich, eine Berührung zuzulassen, geschweige denn vom Schmusen oder mehr. Ich mag es bis heute nicht, wenn mich jemand umarmt,  ausser meinem Freund und meiner Nichte und meinem Neffen. 

Ich wurde nie von meinen Eltern aufgeklärt. Alles was mit dem Körper zu tun hatte, war tabu. Von meiner Mutter bekam ich nur mit, dass alle Männer böse und Schweine waren. Ich weiss noch, dass sie immer total auszuckte, wenn ich zum Beispiel im Sommer im Badeanzug herumlief,  und mein Vater mich zufällig ansah. Kennt ihr Carrie von Stephen King? Meine Mama hat ziemlich viele Ähnlichkeiten mit deren Mutter.
Das prägte mich unheimlich,  bis heute hab ich grossen Respekt vor Männern. Manchmal auch Angst.

Das mit den bösen Männern hat sich bei manchen auch bestätigt, aber diese Erinnerungen werde ich mit ins Grab nehmen. Verdrängung.

Ich hab, meine langjährige Beziehung mal ausgenommen, nur mit Männern geschlafen, wenn ich betrunken war. Jetzt im Rückblick, hätte ich wahrscheinlich mit den meisten nichts gehabt, wenn ich nicht total besoffen gewesen wäre. 

Einmal hab ich zu einen Typen gesagt, dass ich nur mit ihm schlafe, wenn er mir zuerst viel Alkohol gibt. Da hab ich dann einmal Alkohol über eine Spritze bekommen.  Danach kam das Blackout. Heute weiß ich, wie dumm und lebensgefährlich es ist, sich Hochpronzentiges direkt in die Vene spritzen zu lassen. Damals war der Typ mein Held, dass er das konnte. 

Ich brauchte diese Bestätigung von außen,  denn ich selbst hasste mich abgrundtief. Ich war mir nichts wert. Kurz fühlte ich mich dann gut, denn jemand hatte Interesse an mir, auch wenn es nur ein ONS war.
 Am nächsten Tag plagte mich dann das schlechte Gewissen, und der Selbsthass wurde nur noch größer. Ein Teufelskreis. Blackouts waren gang und gebe. Nicht nur einmal wachte ich absolut panisch neben einem Fremden auf und konnte mich an nichts erinnern.
Wenn ich wusste, dass jemand zu mir kam oder ich zu ihm, hatte ich doppelt so viel getrunken wie normal. Sicher ist sicher.
Falls es die Männer merkten, so sagten sie jedenfalls nichts.

Gesund war das nicht. Aber ich kannte es nicht anders. 
Als ich dann trocken wurde, war es für mich unvorstellbar,  mit jemandem zu schlafen, ohne Alkohol oder Beruhigungsmittel.
Sogar ein Kuss war mir unmöglich. Einmal, in meiner ersten Trockenphase, war ein Typ bei mir und wollte nur kuscheln. Ich bekam eine absolut fette Panikattacke, ich schrie ihn an, dass er mich nicht anfassen sollte. Der Arme hatte nichts Falsches gemacht. Aber ich konnte nicht verstehen, dass er mich anscheinend so gern hatte, dass er echt nur kuscheln wollte und nicht mehr.

 Das musste ich ganz langsam neu lernen. Zweite Pubertät. Und definitiv die bessere. Horray.

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