Konkurrenzdenken

Was ich schon echt arg finde ist das Konkurrenzdenken bei Alkoholikern. Ich nehme mich nicht aus, ich gehöre auch dazu.

Für mich war es echt schwer zu verstehen,  dass es Alkoholiker gab und gibt, die keine körperlichen Entzugserscheinungen aufwiesen oder aufweisen. Und diese TROTZDEM Alkoholiker sind und Therapie machen.

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, auf Reha zu gehen, wenn ich nicht mein Glas Vodka in der Nacht gebraucht hätte gegen die körperlichen Wehwehchen.
Jetzt weiss ich natürlich,  dass ich schon im "Fast-Tod-Stadium" war, die anderen es einfach eher begriffen hatten oder begreifen mussten.

Ich lese heute viele Biografien über Süchtige und ertappe mich selbst des öfteren, wie ich deren Konsum als "nicht richtig schlimm" verurteile. 
So in die Richtung: 
Du trinkst nicht jeden Tag? Du bist kein Alki.
Du fängst erst am Abend an? Hahaha, Anfänger.
Du glaubst nicht zu sterben, wenn du zwei Stunden keinen Tropfen bekommst? Was willst du mir bitte für einen Scheiss erzählen, du hast kein Problem. 

Dann erinnere ich mich daran, dass ich mir gewünscht hätte, aufzuhören, bevor ich in mein Stadium gekommen wäre.

Das Gleiche gibts mit dem Trockensein.
Jeder macht es anders, jeder macht es für irgendeinen nicht richtig.
Die AA's sind gegen die ohne Selbsthilfegruppe.
Die Langzeittherapierten sind gegen die, die es ambulant versuchen. 
Die Gefestigten sind gegen die, die noch unsicher umherflirren.
Und so weiter und so weiter.

Jeder glaubt, dass sein Weg der einzig richtige ist. Das glaube ich nicht. Aber an was ich glaube und das auch gerne verteidige ist, dass ein Alkoholiker niemals wieder normal trinken kann. 
Egal wie stark man ist, das erste Glas ist viel viel stärker.

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