Erinnerungen

Wenn ich an meine Kindheit denke, kommen die ersten Erinnerungen hoch. Ich erzähle euch mal die schlechteren.

Meine erste ist nicht so schön.
Als ich noch ganz klein war, war ich mit meiner Mama in der Kirche. Ich schaute öfters zur Orgel zurück, sie stieß mich öfters mit dem Ellenbogen an, ich hatte nicht zurückzuschauen. Ich war aber so neugierig,  dass ich wieder zurückschaute. Kurzerhand hob mich Mama hoch und ging mit mir vor die Tür. Dort bekam ich dann auf ihrem Arm die erste Watsche,  an die ich mich erinnern kann.
Ich weinte, und sie ging wieder mit mir in die Kirche. Ich schaute nie mehr zurück. Bis heute nicht. Die Ellbogen bekomme ich aber noch immer zu spüren, wenn ich mit ihr in der Kirche bin.

Die zweite Erinnerung ist die, dass mein Papa mir eine auf den Hintern gab. Die einzige Watschn,  die ich jemals von ihm bekommen hatte. Ich war mit Papa draußen schaukeln und  hatte keine Strumpfhose an, und Mama schrie, dass ich sofort eine anziehen sollte.
Ich gehorchte nicht, und Papa wusste, dass er der nächste war,  den sie anschreien würde. Also gab er mir eine auf den Hintern.

Kindern gab man früher öfters eine Ohrfeige, bei uns im Dorf war das "fast normal". In meiner Familie jedenfalls. 

Meine dritte Erinnerung ist, als ich vier Jahre alt war und im Kindergarten war. Ich vermisste meine Mama so unfassbar schrecklich und dachte, dass sie mich niemals wieder abholen würde. Ich weinte und erbrach mich vor lauter Bauchweh. Wenn ich daran denke, spüre ich sofort wieder diese grosse Verzweiflung. 

Die vierte war kurz darauf.  Das ist nur so ein Fetzen. Die Polizei war bei uns zuhause und durchsuchte das Schlafzimmer meiner Eltern. Danach wurde Papa mit aufs Revier genommen, ein paar Stunden später kam er wieder zurück. Warum, wieso, weshalb,  weiss ich bis heute nicht. Ich traute mich nicht fragen, und ich traue mich auch heute noch nicht.

Als ich in der Schule war, ich glaube so 6 oder 7, hatte ich bei uns zuhause im Wald einen Lieblingsbaum. Auf dem hing ein Seil, und hin und wieder spielte ich Erhängen. Psychologisch betrachtet nicht sehr gesund, aber ich glaube fast nicht, dass ich mit dem Alter schon Suizidgedanken hatte. Ich war ja noch ein Baby.

Eine lustige, erste schlechte Erinnerung zum Schluss, meine Eltern können diesmal echt nichts dafür. 
Ich war drei Jahre alt, und meine Cousins und Cousinen waren zu Besuch, ich war mit Abstand die Kleinste. Die anderen waren 6-10 jahre älter. Meine Mama war glaub ich draußen, und wir drinnen schauten einen Film. Nur leider kein Märchen, die Älteren hatten sich Chucky die Mörderpuppe ausgesucht.  Seitdem hatte und habe ich furchtbare Angst vor Puppen. Niemals durfte oder darf eine Puppe mich ansehen, oder in meinem Zimmer sein. Jetzt finde ich es lustig, als Kind nicht so.

So sehr ich mich auch anstrengen will,  die ersten schönen Erinnerungen kommen erst, als ich schon viel älter war. Ich weiss, dass ich die sicher auch als Kleinkind hatte,  denn ausser der Liebe der Eltern hatten wir ja alles, obwohl wir nicht reich waren. Die vielen Fotos von Weihnachten,  Ostern, Geburtstagen und so beweisen das. Aber ich erinnere mich an keinen Anlass der ersten Jahre, an denen ich glücklich war.
Aber diese Erinnerungen sind irgendwo verschlossen. Ganz ganz tief in mir drinnen. 

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