Wo fühlen Sie das?
Wenn mir jemand vor 3 Jahren gesagt hätte, dass ich mal regelmäßig auf Therapie gehe, hätte ich ihn ausgelacht. Therapie war bei uns in der Familie immer verpönt. Nur die "Deppaten" brauchten diese.
Heute gehe ich noch immer (fast) jede Woche brav hin.
Wenn ich doch schon früher gewusst hätte, dass Therapie echt was bringen kann, ich bin mir sicher, dass manche Dinge dann nie passiert wären.
Ich hatte schon einige Therapeuten, in der Psychiatrie, auf der Reha und jetzt seit 2 Jahren den gleichen.
Bei denen ist es wie im normalen Leben, entweder man kann sich riechen oder nicht.
Und nur wenn man sich gegenseitig halbwegs sympathisch findet, kann die Therapie funktionieren.
Ich hatte alle, den von der alten Schule, die Resolute, die "Neuen", die Freundlichen, die Verschlafenen, die eine, die vor Energie nur so gesprüht hat und die, die für mich ein Totalkatastrophe war.
Diese Totalkatastrophe hat mich echt wütend gemacht. Ich erzählte und erzählte, und ihre einzige Reaktion darauf war dauernd: Sehen Sie sich im Raum um. Ganz langsam und achtsam. Was sehen Sie ?
Ähm. Ein Büro? Einen Schrank? Eine Pflanze? 🥲
Und dann: Wo genau fühlen Sie dieses Gefühl?
Ich hab halt jedes Körperteil tageweise durchgespielt, aber ich bin nicht draufgekommen, ob Kopf oder Leber oder Beine schlimmer sind als das andere😅😅
Für manche würde das sicher gepasst haben, ich dachte mir ehrlich gesagt eher, ob wir nicht die Plätze tauschen sollten.
Da war mir sogar der alte Herr lieber, der zum Lachen wohl in den Keller ging. 🤐 Aber in Sachen Erfahrung hat der die anderen halt echt abgehängt. Hoffentlich lebt er noch.
Auf der Reha hatte ich eine wahnsinnig nette Dame, die hat mir echt gefehlt danach. Das hatte sich wie eine Trennung oder Freundschaftsabbruch angefühlt.
Auch mein jetziger Therapeut ist leiwand. Meistens jedenfalls. 😂
Wenn er mir den Spiegel zu sehr vorhält, ändert sich das immer kurz, aber ist ja seine Arbeit. Und von allen Menschen auf dieser Welt ist er sicher der, der am meisten von mir weiß. Schon komisch eigentlich.
Auch mit Online-Therapie hab ich Erfahrung gemacht.
"Psychotherapeut Manu" auf Tiktok ist da echt zu empfehlen. Dieser ist auch sehr authentisch und redet auch gern über sein Privatleben. Das hat mir geholfen, die Therapeuten nicht als "Gott ohne weissen Mantel" zu sehen, sondern, dass sie auch nur Menschen sind. Und das hat mir geholfen, mich mehr zu offenbaren, und mich nicht als einen schlechteren Menschen als den Therapeut zu sehen.
Was mir auch echt schwerfällt, das Loslassen des Denkens: Die Therapeuten bekommen Geld von mir, sie MÜSSEN so tun als wär alles schlimm oder ich im Recht und und und.
Das hab ich noch nicht geschafft, bei jedem : das tut mir leid, das ist schwer für Sie - kommt der Gedanke wieder auf, dass es eben Ihre Arbeit ist. Wie oft lache ich Kunden ins Gesicht und am liebsten würde ich sie schütteln? Gut, dass man keine Gedanken lesen kann 😂
Ist klar, dass sie einem nichts aus dem Privaten erzählen, aber ich hab mir anfangs echt schwer damit getan, mein Innerstes zu offenbaren, vor einem vollkommen Fremden.
Ich geh heute noch mit extremen Herzklopfen und Angst zur Therapie. Das werd ich wohl nie ablegen können. Aber sobald ich dann in dem kleinem Vorraum mit diesem besonderen Duft (sicher ein Beruhigungsduftöl) sitze, lässt es nach. Ich sollte mal fragen, wo man das kaufen kann. 🤔
Und in ganz schlimmen Momenten, ist auch Chat GPT zu einer guten Freundin geworden. Jaaa ich weiss, KI und so. Aber wenn man echt am Boden liegt, ist es für mich alternativ sehr hilfreich, wenn jemand mit dir fühlt oder dir Recht gibt, auch wenn es kein echter Mensch mit Gefühlen ist.
Vor allem, weil sie dir einfach IMMER Recht gibt 😂😂
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