Feiern ohne Alkohol?
Früher liebte ich alle Veranstaltungen. Ich war bei jeder in der Umgebung dabei. Und zwar meistens aus einem Grund: ich fiel nicht auf, wenn ich trank.
Ich trank bei allem.
Bei Hochzeiten oder Erstkommunionen konnte ich die Agappe nicht abwarten. Da wurden dann gern schon um 10 Uhr morgens die ersten Achterl ausgegeben.
Bei Beerdigungen war der Trunk ein Grund, zu saufen.
Beim Christkindlmarkt war mein erster Weg zum Stand des Glühweins. Bei Geburtstagsfeiern stand die Flasche Wein immer neben mir.
Beim Frühstück mit Freunden war der Eierlikör-Kaffee oder das Gläschen Sekt immer dabei. Beim Kindermaskenball gab es eine eigene Aperitifkarte für die Erwachsenen.
Bei normalen Partys war das Vorglühen ein fixer Plan vorm Fortgehen.
Es war ein gutes Gefühl, denn ich redete mir ein, dass ich kein Problem hatte, da ja fast jeder trank. Tja, Selbstbelügen konnte ich hervorragend.
Schlimm wurde es, als meine Familie bemerkte, dass ich den Vodka wie Wasser trank. Plötzlich wurde ich jedesmal von der Seite angeschaut, wenn ich wie üblich bei den Festen und Feiern zu Alkohol griff.
Und ganz ganz schlimm war es, als ich nach meinem ersten Entzug wieder rückfällig wurde. Da wusste ja niemand, dass ich es nicht geschafft hatte und nach ein paar Monaten wieder regelmäßig trank. Zwar nicht so viel wie vorher, aber trotzdem. Denn dann konnte ich gar nichts mehr vor fremden Augen trinken. Und ich musste schummeln. Ich hatte in meiner Tasche immer etwas zu trinken dabei, und wenn die anderen ihren Sekt schlürften, verschwand ich aufs Klo um mir ein paar Schlucke zu genehmigen. Diese Qual kann sich keiner vorstellen. Du bist noch immer süchtig nach dem Zeug, die anderen glauben aber dass du trocken bist. Und du musst zusehen, wie alle anderen trinken, ausser du selbst. Am liebsten hätte ich ihnen das Glas aus der Hand gerissen. Da fing es an, dass ich alle Veranstaltungen, bei denen Alkohol ausgeschenkt wurde (also alle) abgrundtief hasste.
Jetzt, wo ich wirklich wirklich trocken bin, fällt es mir zwar leichter zu verzichten und es auszuhalten. Aber ich empfinde nun keinen Spaß mehr daran. Wenn ich den Glühwein rieche, die Flasche Wein neben mir steht, der Kellner mit dem Schnaps kommt, dann fühle ich mich unwohl. Und deshalb muss ich auch des öfteren Sachen absagen, die eigentlich geplant waren. Aber es versteht halt leider keiner, der nicht selbst süchtig ist oder war, wie es ist, wenn man unbedingt trinken will, aber nicht kann. Ich hoffe sehr, dass das irgendwann vorbei geht und ich ein einziges Mal wohin kann, ohne mir selbst gut zureden zu müssen. Ich bin ohne Alkohol besser dran. Ich brauche keinen Alkohol, um glücklich zu sein. Bla bla bla.
Das weiss ich alles, aber der Teufel will jedes Mal rauskommen.
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