Warum ich trank...

Jeder, der irgendwann mal auf Entzug ist, wird mindestens einmal hören, dass Alkohol eigentlich nicht das Problem war. Zuerst sitzt man da und denkt: Hää? Natürlich ist Alkohol das Problem.  Aber umso länger ich in Therapie war, umso mehr hab ich das verstanden. 
Man trinkt nie ohne Grund. Und die Gründe sind vielfältig. Von Scheidung,  Verlust,  Ängsten,  Kindheit usw.

 Bei mir lags an meinen absolut unterirdischen Selbstvertrauen, das eigentlich gar nicht vorhanden war. Und ich fühlte mich schon mein ganzes Leben als nicht gut genug. Weder als Tochter, Schülerin, Angestellte oder als Mensch.

Und diese Probleme muss man aufarbeiten. Hört sich kacke an,  ist auch kacke.

Mir fiel es am Anfang sooo schwer mich zu öffnen. Ich dachte mir immer, dass andere doch viel schlimmere Probleme haben als ich. Zum Beispiel meine Kindheit. Ich bekam ein paar Watschen,  aber andere wurden oft mit dem Gürtel verdroschen. Ich bekam nie eine Umarmung oder ein liebes Wort, aber andere hatten gar keine Eltern mehr.
Dieses "meine Probleme sind trotzdem wichtig" war für mich extrem schwer zu akzeptieren. Aber nur wenn du das dir gegenüber erlaubst und zugibst,  kannst du auch mit der Sucht umgehen.

Ich geb euch ein Beispiel. 
Vor einigen Wochen stand ich an der Tankstelle,  und überlegte 20 Minuten lang, ob ich mir die Flasche Vodka jetzt kaufen soll. Mein Therapeut hat mich dann begleitet,  und ich hatte keinen Rückfall.  Bei der nächsten Therapiesitzung sagte ich, dass ja absolut gar nichts passiert war, um diesen extremen Suchtdruck zu rechtfertigen. Dann erzählte ich über meine Woche, und mein Therapeut hat mir am Schluss aufgezeigt,  dass eben doch etwas passiert war, dass mich extrem getriggert hat. Mein Körper wollte sich wieder regulieren,  und zwar mit dem Mittel, dass mich jahrelang davor bewahrt hatte, zu viel oder überhaupt irgendwas zu fühlen.

Jeder, der trocken ist, muss an sich arbeiten. Oft fühlt es sich an, als würde es nichts nützen. Aber jeder Tag ohne Alkohol ist ein gewonnener Kampf.

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