Nein danke
Ich bin es leid, mich dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich nichts trinke. Sei es beim Fortgehen, beim Heurigen, beim Dinner, bei Festen, bei der Weihnachtsfeier der Firma usw.
Ich nehme es den Menschen ja gar nicht übel, denn es ist so in unsere Gesellschaft integriert, dass man eben Alkohol trinkt, dass es absolut unvorstellbar ist, nicht zu trinken, wenn man nicht grad schwanger ist oder stillt. Nicht mal Medikamente gelten als richtige Ausrede, oft hab ich drauf gehört, dass es dann glücklicherweise ja viel schneller mit dem Rausch geht.
Man trifft sich entweder auf einen Kaffee, oder eben auf das Bier.
Noch nie hab ich jemanden hören sagen, dass jemand zum Nachbar auf ein Glas Wasser oder Saft geht.
In meiner Anfangszeit als trockene Alkoholikerin ging mir die Frage, warum ich nicht trinke, nicht so auf die Nerven wie jetzt. Da war ich noch "stolz" darauf, es geschafft zu haben, ohne Alkohol leben zu können.
Jetzt, nach 16 Monaten Abstinenz, gehört das nun schon eher zum Alltag mit dem Nichttrinken, und es wurde für mich zum Großteil "normal". Aber nicht für die anderen, die nicht weiter eingeweiht sind.
Ich möchte weder jeder Menschenseele anvertrauen, dass ich Alkoholikerin bin, noch möchte ich hundert Ausreden erfinden müssen, warum ich nichts trinke. Der Satz: Nein Danke- muss doch reichen. Kein- Nicht mal zum Anstoßen? Na komm, nur eines. Warum nicht? Sei ka Spielverderber. Zur Verdauung. Und was weiss ich noch alles.
Es ist fast schon verpönt, Nein zum Alkohol zu sagen. Wenn ich sage, dass ich nicht rauche oder ziehe, möchte mich ja auch keiner umstimmen.
Und ich gönne es wirklich jedem, der nach seinem Glas Sekt oder Wein aufhören kann und es deshalb trinken kann.
(Ja, auch Neid ist dabei)
Ich kann das nicht. Und viele viele andere Menschen auch nicht, und das geht niemandem etwas an, wenn dieser es nicht teilen will.
Fun fact. Es gibt auch Menschen, die dann absolut dumm reden und mich als lächerlich empfinden oder als Spassbremse, manche werden sogar richtig ungut. Aber lustigerweise sind das die, die meistens selbst viel zu viel trinken und so den Spiegel vors Gesicht gedrückt bekommen.
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