Die ersten Tage zuhause
Diesmal war ich nicht so überzeugt von mir wie nach meiner ersten Entgiftung. Ich wusste, dass der Alkohol immer und überall zu mir zurückkehren könnte. Der Teufel in meinem Kopf war zwar ruhiger geworden, aber er konnte jederzeit wieder meine Gedanken übernehmen.
Somit hatte ich eine scheiss Angst. Vor dem Suchtdruck, dem Leben außerhalb der Bubble in der Entwöhnung, sogar vor Milchbrötchen wegen dem Alkoholgehalt. 😂
Am ersten Tag war ich noch nicht in meiner Wohnung, sondern bei meiner Mama zuhause. Dort waren meine Katzen und ich war nicht allein. An dem Tag versuchte ein sehr lieber Freund, der mit mir auf Entwöhnung war, sich umzubringen, da er rückfällig geworden wurde.
Der erste Tag allein und dann gleich sowas! Aber ich hielt durch.
Einen Tag später war ich wieder arbeiten. Ich hätte auch in die sogenannte Wiedereingliederung gehen (also weniger Stunden arbeiten und die Differenz im Gehalt bekommt man von der Krankenkasse), aber ich wollte so schnell wie möglich Struktur . Ausserdem dachte ich mir, dass jede Zeit, die ich mit mir alleine verbrachte, zu einem Rückfall führen könnte. Warum ich das dachte? Keine Ahnung 😅
Ich war so schrecklich nervös am ersten Arbeitstag, dass ich weinen wollte.
Dann kam mir am Parkplatz eine Arbeitskollegin entgegen, und sie weinte Freudentränen, weil ich wieder da war. Im Aufenthaltsraum wartete ein "Herzlich Willkommen" Ballon und eine Schärpe auf mich. Das hat mir viel Angst genommen.
Bis heute wissen es nur 4 Kollegen, warum ich wirklich weg bin. Es wurde sicher viel spekuliert und gemunkelt, es gibt sicher auch einige, die die Sucht selbst bei mir vermuteten oder vermuten.
Ich habe mich aber dagegen entschieden, es den anderen mitzuteilen, ich fühlte mich damals noch nicht sicher in der Trockenheit.
Zu meinem Erstaunen, war die Arbeit wie vor sechs Monaten, ich war sofort wieder drinnen. Aber es war so seltsam, diesmal alles nüchtern zu machen, so, als würde ein grosser Teil von mir fehlen.
Mein Chef war an diesem Tag nicht da, ich war sehr froh darum, denn vor ihm und seiner Reaktion hatte ich den größten Schiss- komplett unbegründet wie ich später bemerkte.😂
So vergingen die ersten Tage, ich ging arbeiten und schlief. Denn ich war WAHNSINNIG müde. Zuerst körperlich von der Entgiftung, und seit der Entwöhnung seelisch. Jedes Gefühl strengte mich an, und ich war froh, wenn ich am Abend wieder einen Tag abhaken konnte.
Der Suchtdruck hielt sich fürs erste zurück, aber nicht für lange.
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