Co- Abhängigkeit

Co-Abhängigkeit. Eine komische Angelegenheit.  Man liebt einen Menschen, und irgendwann hasst man ihn,  weil er so süchtig nach einer Substanz geworden ist, und diese mehr liebt, als jeden Menschen auf dieser Welt.
Ich würde nicht sagen, dass ich gegenüber meinem Vater eine Co-Abhängigkeit entwickelt habe. Oder doch ? Ich hab es halt akzeptiert,  ich kannte ihn nicht anders,  er war immer so. Früher bekam ich es nicht so mit, da war er nachdem er fort war, immer lustig und kuschelbedürftig. Als ich älter war, verstand ich, dass das nur wegen den 8-10 Spritzern war, die er sich am Vormittag angetrunken hat. 
Wenn er nicht getrunken hatte, war er depressiv und wollte sich umbringen. Auch nicht besser, dann lieber angetrunken.
Meine Mutter und meine Schwester waren definitiv co-abhängig mir gegenüber.  Sie wussten , dass ich viel trank, und nicht nur einmal suchte ich meine versteckten Vorräte, die eine von den beiden zuvor gefunden hatte und ausgeleert hatte. Aber ich glaube, dass sie Angst vor mir hatten. Angst vor meiner Reaktion,  ich zuckte immer komplett aus, wenn meine Mutter mich zum Beispiel auf meine Fahne ansprachen.  So wussten sie, dass ich zwar trank, aber dass ich wenigstens noch lebte, da ich da wenigstens noch WhatsApp geschrieben hatte. Jetzt im Nachhinein bin ich so froh, dass sie mich nicht aufgegeben hatten. Immer diese leere Versprechen von mir, die Angst, wenn ich betrunken Auto fuhr, die dauernden Explosionen und Panikattacken meinerseits. Es muss schlimm für sie gewesen sein . Wie schlimm, merkte ich erst, als  ich meiner Schwester mal schrieb vor meinem kalten Entzug, dass ich entgiften möchte. Sie weinte dann vor Erleichterung. Sie hatte noch nie vor mir geweint. Aber wenn sie mich verlassen hätten, hätte ich mich noch schneller zu Tode getrunken. 
Eines meiner Versprechen an mich selbst ist, dass ich nie etwas mit einem Alkoholiker oder Drogensüchtigen anfangen werde, ob trocken und clean oder nicht. Denn ich bin mir sicher, dass ich, wenn es zu einem Rückfall meines Partners kommen würde, ich fix in eine Co-Abhängigkeit oder wieder in die Sucht abrutschen würde. Ein krankes Gehirn ( so gemein es klingt)  reicht mir.  
Ich hatte meiner Schwester und meiner Mutter auch angeboten, in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige zu gehen, aber das wollten sie nicht. Ich hätte es nicht schlecht gefunden, weil dann könnten sie eventuell auch mit der Wut und der Unverständnis mir gegenüber anders umgehen. Dass diese besteht, weiss ich, obwohl sie es nicht  zugeben würden. Woher sollten sie es auch verstehen,  wie ein süchtiges Gehirn funktioniert ? Dass wir es nicht gerne machen, aber auch nicht ohne können ? Ich für mich finde, dass Co-Abhängigkeit genauso schlimm und nervenauftreibend ist, wie die Sucht selbst.

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