6 Wochen Psychiatrie
In dieser Nacht schlief ich sehr schlecht. Ich war wieder entzügig, und auch diesmal musste ich mit den Benzos warten.
Ich war im Überwachungszimmer mit einer Dame, die schizophren war, und leider ihre Medikamente nicht nahm. Mitten in der Nacht dachte sie, dass ich eine Agentin meiner Arbeitsstelle war. Ich trug noch das Shirt mit dem Logo, denn ich bin ja direkt nach der Arbeit auf die Station gekommen. Es entfachte eine grosse Diskussion, die damit endete, dass sie mich an den Haaren zog und würgte, bis endlich das Nachtpersonal kam. Die Dame wurde fixiert und ruhiggestellt, ich weinte eine Runde und dann schliefen wir weiter. Heute kann ich darüber herzhaft lachen, vor allem , da sie am Morgen erwachte und sagte, dass sie noch nie so gut geschlafen hat wie diese Nacht. 😂
Damals, alkoholtoxin, nervös und absolut fertig, fand ich das gar nicht lustig. Ich durfte das Zimmer wechseln. Gott sei Dank, ich hatte echt Angst vor ihr.
Ich blieb sechs Wochen in Tulln. Normalerweise undenkbar, dass man länger als 4 Wochen auf der Akutstation bleibt, aber ich hatte eine wahnsinnig nette Oberärtzin, die mich irgendwie durchschmuggelte. Ich hoffe, dass sie sah, dass ich wirklich trocken werden wollte, und sie mich nicht nur dort ließ, weil ich ihr leidtat.
Die Therapien machte ich brav mit. Ausser von der Singgruppe versteckte ich mich öfters oder stellte mich schlafend. Das versteht man, wenn man einmal als klare Person im Kopf mitmachen musste 😅
Da ich dieses Mal Raucherin war, lernte ich schnell einige sehr nette Mitpatienten kennen, mit einen habe ich immer noch Kontakt.
Ich begann auch, Sport zu machen und wieder zu hungern- Suchtverlagerung hatte mich absolut im Griff.
Als es zu Ende ging und ich absolut nicht mehr bleiben konnte, da ich auch keine Benzos mehr nahm, kam der lang erhoffte Anruf von der Langzeitreha. Ich durfte die Woche drauf einziehen 😍 ich freute mich echt wahnsinnig.
Über die Arbeit machte ich mir keine Gedanken mehr, ich ging vollkommen davon aus, dass ich gekündigt werden würde, oder selbst kündigen würde, diese Scham war mir zu gross, und auch das Gerede der anderen konnte ich mir lebhaft vorstellen.
Ich wurde an einem Montag entlassen, und schlief in dieser Nacht bei meinen Eltern.
Am Tag darauf, fuhr mich meine Mama mit einem überdimensionalen Koffer ins Rehazentrum. Ich war so nervös und hatte riesige Angst, aber die Angst, mein Leben könnte so weitergehen wie vor der Psychiatrie, war viel viel grosser.
Ach ja: die "Würgerin" entschuldigte sich ein paar Wochen später bei mir, nachdem sie ihre Medikamente wieder nahm. Und ab da mochte ich sie. Fast.
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