Partyzeit und Rebellion

Wie schon vorher geschrieben, war der Alkohol ab da ein guter Freund.

Ich begann mit der höheren Schule, und war ein typischer MittelgÀnger.
Ich war gut in der Schule, aber kein Streber, ich gehörte nicht zu den beliebten MĂ€dchen, aber auch nicht zu den EinzelgĂ€ngern. Dort in der Mitte fĂŒhlte ich mich wohl, mit meinen MĂ€dels,  die genauso waren wie ich - nicht cool genug fĂŒr die Coolen, nicht komisch genug fĂŒr die Loser.

Mit meinem kaum vorhandenen Selbstbewusstsein hatte ich ja schon mein ganzes Leben zu kĂ€mpfen. Noch dazu war ich eher moppelig,  das machte mir auch schwer zu schaffen. Äußerlich konnte ich gut schauspielern,  aber innerlich wurden meine Zweifel immer grĂ¶ĂŸer.  Vor allem, weil auch zuhause die Situation noch genauso angespannt war wie meine ganze Kindheit lang. Nur war ich jetzt mit meinen Eltern allein, meine Schwester war ausgezogen ( ich beneide sie bis heute darum).
Also war ich jetzt der alleinige Puffer meiner Eltern, die so manch schlimme Situation entkrÀften konnte. Zu meinem Leid.

Mit 14 fing ich dann an , regelmĂ€ĂŸig am Wochenende fortzugehen. Wir fĂ€lschten Ausweise, quetschten uns durchs WC - Fenster, um in die Disco zu kommen, feilten an Ablenkungsmanöver,  um ungesehen bei der Security durchzukommen...an Ideen mangelte es uns auf gar keinen Fall!
Und Alkohol war immer dabei. Um uns Mut anzutrinken, damit die Hand nicht so zittert wenn man den Security selbstbewusst den oft ganz genau erkennbar gefĂ€lschten Ausweis entgegenhĂ€lt,  um zu feiern, dass unser Plan aufgegangen war und uns keiner erwischte,  oder auch - sehr oft leider- um uns die KrĂ€nkung zu erleichtern,  falls es doch nicht geklappt hat und wir uns stattdessen an die Tankstelle setzten, mit neidvollem Blick zur Disco. 
Ich trank jedesmal, und schon da immer bis zum absoluten Maximum. Ich ging auch oft mit meiner Schwester weg, die als Autofahrer natĂŒrlich nichts trank. Wie oft stritten wir lautstark,  weil sie nachhause wollte, und ich nicht. Mir ging es nie um das Fest oder die Party selbst, sondern immer nur darum, möglichst viel zu trinken, um meinen Kopf zu entlasten.  Und wehe, ich war nicht so betrunken, dass der Weg zum Auto doppelt so lange dauerte, weil sich alles drehte.  Dann konnte ich zum richtigen Teufel werden. Schon ab diesem Zeitpunkt,  verbrachte ich den Sonntag meistens im Bett, so gern mein Kopf den Alkohol wollte, so schlimm fĂŒhlte er sich am nĂ€chsten Tag.

Zu dieser Zeit fing ich auch an, noch hĂ€ufiger als sonst, mit meiner Mutter zu streiten. Ich hatte das GefĂŒhl,  dass mein Fass schon viel zu lange voll war, und jede noch so kleine Kleinigkeit wurde zu einem riesengroßen Streit. Mein Vater hielt sich raus, er war froh, dass er mal aus dem Schneider war. 
Jeden Tag flogen zwischen meiner Mutter und mir die Fetzen, TĂŒren wurden so fest zugeschlagen,  dass die Fenster klirrten,  und zu den Beschimpfungen meiner Mutter, die meine Nachbarn ja schon zur GenĂŒge kannten, kam nun auch meine Stimme dazu, die die Nachbarn die nĂ€chsten 5 Jahre, nahezu tĂ€glich ertragen mussten.

Wenn ich jetzt zurĂŒckdenke,  hĂ€tte ich schon damals Hilfe gebraucht, doch es sollte noch  15 Jahre dauern, bis ich diese endlich bekam.

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