Die guten Zeiten

Ich kam nach Hause.  Ich war motiviert,  ich war mutig, und ich war sowas von überzeugt davon,  NIE WIEDER ALKOHOL ZU TRINKEN.

Aus irgendeinem Grund, höchstwahrscheinlich meinem Chef zu verdanken,  hatte ich meinen Job inklusive Führungstätigheit im Supermarkt behalten. Jeder dachte in meiner Firma, dass ich eine Art Nervenzusammenbruch hatte und wegen der Psyche weg war. Ich erfuhr erst viel viel später durch Zufall, dass meine Mutter meinen Chef über meine Sucht informiert hat. Obwohl er mich an dem Tag selbst in die Psychiatrie brachte, hatte er wohl trotzdem nichts von meiner Sucht mitbekommen,  und fiel aus allen Wolken.
Er war aber der einzige, der es wusste , und sprach mich nicht darauf an. 
Die ersten Tage bzw Wochen "draussen" waren super, ich ging meiner Arbeit nach ( wobei ich bei jedem Mal, an dem ich am Weinregal in meiner Arbeit vorbeiging,  ein stummes FICK DICH schrie),  ich verletzte mich nicht selbst, und ich konnte besser schlafen.
Ich war im Arbeitsmodus, ging nie aus, versuchte beim Einkaufen nicht am Spirituosenregal vorbeizugehen (in der Arbeit kam ich nicht drumherum), schlief viel und ging laufen. Aber ich fühlte mich leer. So leer und ausgelaugt,  als wären alle Gefühle dieser Welt aus meinem Körper verbannt worden. Ich lachte, ich machte Witze,  ich tat so, als ob ich das schönste Leben hätte.
Körperlich ging es mir auch echt gut, aber meine Seele brach nach und nach auseinander.  Ich wusste viel zu wenig über die Sucht. Ich dachte wirklich,  dass nach dem körperlichen Entzug das Schlimmste überstanden war. Dass ich auch psychisch an mir arbeiten hätte müssen, kam mir erst viel später.

Ich fühlte mich alleine, der Suchtdruck killte mich oft. In der Arbeit wusste niemand davon, also konnte ich mit niemandem darüber sprechen. Wenn ich zuhause auch nur das Wort Alkohol in den Mund nahm,  wurde ich sofort ermahnt. Für meine Familie war das Thema vorbei. Unter dem Tisch. Mit ins Grab genommen, wie auch immer. Auch sie wussten nicht,  dass die Sehnsucht nach Alkohol mein Leben noch lange begleiten würde und nie ganz aufhören würde.
Da mein Kopf sich nun nicht mehr an den nächsten Rausch erfreuen konnte,  suchte er Alternativen.  Und schwupps, fing ich wieder an zu hungern. Darüber hinaus fing ich zu rauchen an. Dass das eine typische Suchtverlagerung war, war mir damals nicht bewusst. Also hungerte ich und rauchte, bis mir schlecht wurde, und so überstand ich die ersten 3 Monate ohne Alkohol. 
Ich konnte niemanden sagen, dass es mir psychisch ziemlich ziemlich schlecht ging, und ich wollte es mir selbst auch nicht erlauben.  Hallo?? Doris?? Du hast den Kampf gewonnen,  du DARFST nicht traurig sein! 

Ich nahm zwischenzeitlich immer wieder etliche Beruhigungsmittel,  CPD Öl, Aschwaganda, Lasea, alles was ich in die Finger bekam.

Und dann machte ich, WIEDER MAL 🤦‍♀️, einen grossen Fehler. Ich sah im Fernsehen die Passedan Werbung. Und dachte mir, dass ich das Zeug ja mal ausprobieren konnte.
Ja, ich war wirklich so dumm, und hatte keinen Schimmer, dass in den Tropfen UNMENGEN an Erhanol steckten.
Ich nahm ein paar Tropfen und wartete darauf, dass ich müde wurde.
Und da kam das Monster wieder zum Vorschein. Ich war wie ein Vampir, der auf Blutjagd war, und hatte die ganze Flasche in ein paar Sekunden ausgetrunken. Erst danach sah ich auf den Beipackzettel. Ich wurde sofort rauschig,  und meine Gedanken hatten seit 4 Monaten endlich wieder Pause.

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