Die erste Liebe
Obwohl ich am Wochenende durch den Rausch immer sehr kontaktfreudig wurde, hatte ich bis zu meinen 20. Lebensjahr nie eine ernste Beziehung. Mal schmusen und fummeln, aber am Sonntag Morgen war die "Liebe" wieder vorbei. Ich war eben unglaublich schüchtern und keine Schönheit, diese Kombi war mir ein Verhängnis.
Ausserdem glaubte ich von tiefsten Herzen, dass mich niemand je lieben könnte. Woher auch? Ich wusste nicht, dass man das eigentlich in der Kindheit von den Eltern mitbekommen sollte: du bist gut, so wie du bist, du bist liebenswert, ich hab dich lieb, du musst nichts leisten, um genug zu sein.
Das kannte ich nicht. Trotzdem sehnte ich mich so sehr danach. Jemanden, der mich so nahm wie ich war, mich liebte, ohne etwas dafür zu verlangen.
Eines Abends hatte ich noch dazu ein sehr sehr schlechtes Erlebnis mit einem Mann. Ich, ein 17-jähriges betrunkenes Mädchen, er, ein 26-jähriger nicht ganz so betrunkener Mann. Ich ging mit ihm in seine Wohnung, wo wir weitertrinken wollten.
So dumm. Und so naiv.
Nach diesem Abend schwor ich mir, nie wieder einen Mann zu vertrauen.
Das hielt nicht wirklich lange.
Zwei Jahre später, lernte ich einen jungen Mann kennen. Er schrieb mir auf Facebook- seeehr romantisch :)
Nach ewigen Hin und Herschreiben, wollten wir uns das erste Mal treffen. Ich hatte vorher schon einiges intus, sonst hätte ich sicherlich abgesagt. Er war ein halbes Jahr jünger als ich und wohnte knapp 70 km von meinem Heimatort entfernt.
Wir verstanden uns von Anfang an, und ein paar Wochen später waren wir ein Paar.
Auch er hatte ausser einigen Bettgeschichten noch nie eine Freundin, und da sich beide jemanden an seiner Seite wünschte, nahmen wir so manche schwierige Angewohnheiten des anderen hin. Er sah über meinen abendlichen Weinkonsum hinweg, ich arrangierte mich damit, dass es sexuell eher flau war.
Er war auch der erste Mensch, der mir zuhörte und mir das Gefühl gab, richtig und wichtig zu sein. Nach und nach erzählte ich ihm von meiner Bulimie und der SV, er schaffte es mit Gesprächen so weit, dass ich damit aufhörte. Nur der Alkohol blieb, aber da ich die Wochenenden nun bei ihm verbrachte, trank ich "nur" mehr eine Flasche Wein am Wochenende, der abendliche Wein wochentags blieb bestehen, von der wusste er ja nichts.
Wir liebten uns, wir hatten Spaß, wir konnten uns gegenseitig aufziehen, und wir hatten die gleichen Interessen. Kurze Zeit war ich fast glücklich.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen