Der körperliche Entzug

Ich weiss nicht mehr, wie lange ich da lag. Stunden, Minuten? Keine Ahnung.
Als ich munter wurde, lag ich noch immer auf der Toilette, umringt von Ärzten und Krankenschwestern, die die Tür aufbrachen.
Sie legten mich auf eine Liege, und ich kam zur Aufnahme. Da zitterte ich schon wie Espenlaub durch den Entzug. Sie brauchten mich nicht sehr viel fragen, ich war zu sehr damit beschäftigt,  irgendwie zu überleben. Ausserdem hatte sie dann meine Blutwerte, mit 3.8 Promille. Die Ärzte berieten sich, ob ich auf die Intensiv sollte, da es nicht gut ausschaute.  Meine Entzündungswerte waren katastrophal hoch, doch bevor sie mich untersuchen konnten, mussten sie mich stabilisieren. 
Ich kam dann auf ein Überwachungszimmer. Jede halbe Stunde kam eine Krankenschwester,  von dem bekam ich jedoch nicht viel mit. Ich halluzinierte schon wieder, hatte zusätzlich Fieber bekommen und krümmte mich vor Schmerzen. Jeder, der einen körperlichen Entzug durchmacht,  kennt die Schmerzen, und ich wünsche diese nicht mal meinen schlimmsten Feind. Zittern, Erbrechen, Muskelschmerzen, dröhnende Kopfschmerzen,  Panikattacken,  Angstzustände, Schwindelanfälle, Bewusstlosigkeit,  usw.
Entzugstabletten durfte ich erst bei 1.5 Promille bekommen, und so biss ich die Zähne zusammen und weinte mir die Seele aus dem Leib. Die Krankenschwester schrieb eine Nachricht an meinem Chef, dass ich dableiben musste, und eine an meine Mutter und meine Schwester,  dass ich im Spital wäre. Ich fügte nur Emojis hinzu, ich zitterte zu sehr.
Ich weiss nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber ENDLICH war ich so weit , dass ich eine Benzo bekam. 400 mg, und ich war sofort weg. Ich schlief bis am nächsten Tag, traumlos und tief. Als ich erwachte, war meine Mutter gekommen,  um mir ein paar Sachen zu bringen. Sie muss sich so vor meinem Anblick erschrocken haben, dass sie mich nicht kritisierte oder mir Vorwürfe machte.
Dann kam ich zur Untersuchung,  noch immer liegend, da ich nicht gehen konnte. Und hurra, endlich wusste ich, warum ich seit Monaten solche Bauchschmerzen hatte. Ich hatte eine fette Bauchspeicheldrüsenentzündung. Die Ärztin nahm mich beiseite, waschte mir gründlich den Kopf ( auf nette Weise) und fragte mich, ob mir klar war, wie gefährlich und knapp das war und ich eigentlich tot sein müsste.  Ich lachte daraufhin, wollte ich doch schon so lange nicht mehr leben. Sie fand das nicht so witzig.
Sie sagte mir, dass man zuerst meine Bauchspeicheldrüsenentzündung behandeln müsste, bevor der Entzug weitergehen konnte. Also bekam ich ein grosses Päckchen Benzodiazepine, und wurde ins Krankenhaus nach St. Pölten gebracht. Gehen konnte ich noch immer nicht, ich zitterte trotz Benzos so stark, dass ich mir nicht mal die Schuhe anziehen konnte. 
Nach einer sehr sehr schmerzhaften Woche in St. Pölten, an die ich mich durch die Tablettencocktails nur wage erinnern kann, kam ich wieder zurück auf die Akutstation der Psychiatrie. 
Und somit begann der Kampf.

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