4 Wochen Psychiatrie

Als ich wieder in Tulln war, ging es mir noch immer nicht gut. Ich konnte zwar kurze Strecken laufen, aber meine Bauchspeicheldrüsenentzündung war noch immer hartnäckig und plagte mich.
Durch die Benzos, die ich noch immer in grossen Mengen bekam, war ich wie im Nebel. Ich bekam alles mit, aber es fühlte sich an, als wäre ich in Watte gepackt.
Ich verstehe jeden, der zu Benzos greift und danach abhängig wird. Sie machen nicht nur extrem schnell extrem süchtig,  aber das Gefühl wenn ich "drauf" war, war wie ein guter Rausch. ( Den ich schon lange nicht mehr hatte)
Zuerst hatte ich riesengroße Angst vor den anderen Mitpatienten. Ich war von den typischen Vorurteilen eingenommen: In die Psychiatrie kommen nur schreiende, Stimmen hörende  Psychopathen,  die dich in der Nacht umbringen wollen. 
Ok...ja... die gab es auch 😂 aber zu meiner grossen Verwunderung waren der Großteil Menschen wie du und ich , die nette, anständige Leute waren. Sie sind nur, wie ich, ein paar Mal im Leben falsch abgebogen und wollten und mussten ihre Fehler jetzt wieder gut machen.
Manche Patienten hatten viel Leid erfahren oder waren von Krankheiten befallen, die jeden treffen können und die man sich selbst nicht wünscht. Meine Vorurteile haben sich ziemlich schnell als falsch erwiesen,  und einige Leute nahm ich in mein Herz auf.

Wir hatten verschiedene Therapien, die wir besuchen mussten/durften. Von Ergotherapie,  Musiktherapie, Einzeltherapie bis Singgruppe - bei letzterer stellte ich mich des öfteren schlafend 🫣🫣- war alles dabei.
Langweilig wurde uns nicht. Ob man benebelt im Bett lag,Therapie hatte oder ein Neuzugang mit der Polizei im Schlepptau unsere Aufmerksamkeit auf sich zog, die Tage vergingen wie im Flug.
Ca 2 Wochen nach meiner Aufnahme machten sich bei mir einige Dinge bemerkbar: Ich hatte ein paar Kilo verloren ( dank Schonkost für die Bauchspeichelrüse) , meine Haut blühte wie in den schlimmsten Zeiten der Pubertät (die Giftstoffe kamen aus meinem Körper), ich war konzentrierter, mir gingen sehr sehr sehr viele Haare aus,  meine Schmerzen wurden besser und ich zitterte trotz Benzoreduzierung nicht mehr sehr stark.
Die Ärzte suchten mir einige Langzeittherapien heraus, und ich sagte ihnen, dass ich nach Mauer wollen würde.
Und dann machte ich einen riesengroßen Fehler. 
In ein paar Tagen sollte ich entlassen werden, und mein Zimmer für Mauer war reserviert. 
Doch ich dachte nicht mehr im Traum daran, dort hinzugehen.
Da ich nun schon fast 4 Wochen auf Alkohol verzichtete, fühlte ich mich so gut wie seit Jahren nicht mehr. Ich hatte wohl ein sehr grosses Ego, denn ich war der Meinung,  dass ich das Schlimmste hinter mir hatte, und ich ab jetzt alleine, ohne Hilfe ohne Alkohol klar kommen würde. Ich hatte es ja schon 4 Wochen geschafft! Ich würde mich am liebsten  schütteln, wenn ich jetzt daran zurückdenke. Wie dumm ich war!
Meiner Familie erzählte ich, dass ich nicht auf Langzeitreha gehen würde, die akzeptierten das sofort. Es war niemanden klar, dass ich noch immer süchtig war, nicht mehr körperlich,  aber sehr wohl psychisch. 
Und mir wohl am wenigsten,  oder ich wollte es mir einfach nicht eingestehen.
Also verließ ich nach exakt 4 Wochen die Psychiatrie,  und ich weiss noch genau, was der Pfleger als letztes zu mir sagte: Auf in den Kampf.
Und ich dachte mir, hä? Ich hab den Kampf doch jetzt hinter mir, jetzt wird es leichter.

Tja, so sollte ich mich täuschen. 

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